Lebensnah

Naiv sein ohne Reue?

Du bist zu naiv mein Kind!

Die Welt und Menschen mit Liebe und Unbefangenheit zu betrachten, sich leicht begeistern zu lassen und fast alles zu glauben, wird mir des Öfteren vorgeworfen. Schon meine nächsten Verwandten tadelten mich mit dem Spruch „Kind, sei nicht so naiv“.
Wie oft bin ich durch diese Eigenschaft gestolpert, gefallen, habe geblutet und Narben davon getragen. Natürlich wollte man mich schützen, mich in Sicherheit wissen. Man wünschte sich keine Sorgen um mich machen zu müssen und meiner Unbefangenheit entgegenwirken zu können.
Meine Unbefangenheit gegenüber Neuem, gegenüber Worten und Erlebnissen bringt mich auch heute noch an meine Grenzen… aber… das bin ich und ich kann diesen Charakterzug nicht ablegen.

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Naivität in der Liebe?

Gerade was die Liebe betraf erlitt ich einige Genickbrüche. Leichtgläubig und Blauäugigkeit lies mich zu oft in Sicherheit wiegen und nicht genauer hinsehen. Das hat zur Folge, dass mein Herz Narben besitzt, aber es ist dadurch auch gewachsen!
Wie sehr schätze ich die Liebe, wie sehr wünsche ich mir Liebe und wie achtsam halte ich Ausschau nach ihr.
Wie sehr liebe ich meine Familie und wie sehr gebe ich diese weiter. Sie erfüllt mich und ich bin dankbar für jedes Herz, für jedes Lächeln für jedes Gefühl der Geborgenheit.
Ist es naiv an die Liebe zu glauben und Menschen unbefangen entgegen zu gehen? Ist es falsch immer nur mit Vorsicht zu genießen? Wer Angst vor Enttäuschungen hat, wird die Liebe wahrscheinlich nicht finden.

 

Unbefangen an Dinge herangehen- vertraue auf dein Bauchgefühl?

Ein Kinderspiel für mich! Ich bin schnell zu begeistern. Ob es um Projekte geht, um Freizeitgestaltung um Neues Unbekanntes oder Reisen, ich bin dabei. Oftmals auch spontan. Ich lebe nur einmal, also warum nicht riskieren?
Ich kann nur gewinnen oder verlieren!
Meine Unbefangenheit brachte mich oftmals in doch nicht ungefährliche Situationen. Ich nahm was ich bekam und reiste alleine durch die Welt, lernte Menschen und Kulturen kennen Der ein oder andere Weg war nicht ungefährlich. Mancher brach mir das Herz, andere Wege öffneten mir neue Türen.
Oftmals höre ich nicht auf den Verstand, sondern auf mein Bauchgefühl. Ich nehme Dinge wahr, unbefangen und voller Neugier. Das öffnet mir neue Wege, neue Chancen und das ist gut so, denn ich bleibe nie stehen.

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Naiv bedeutet kindlich zu sein

Kinder kennen die Gefahren in dieser Welt noch nicht. Sie bewegen sich in Gefilden, die wir Erwachsenen nicht mehr betreten. Sie träumen, glauben an Märchen und Sagen, an Elfen und Kobolde. Sie klettern auf Bäume ohne zu fallen. Sie lachen von ganzem Herzen. Sie singen aus voller Inbrunst.
Wie schön war diese Zeit des Kind seins!
Warum behalten wir nicht ein paar Träume, ein wenig Glauben an den Zauber und ganz viel Glauben an uns?
Warum klettern wir nicht mehr auf Bäume oder singen kindlich und laut? Warum lachen wir nicht mehr aus vollem Herzen, ohne uns zu schämen? Was hemmt uns so zu sein, wie wir sind- etwas kindlich und rein?
Ich habe es nicht verlernt, ich lache wenn mir danach ist, ich weine wenn mir danach ist und ich klettere auch über Zäune wenn ich Lust dazu habe. Ich tanze im Regen und singe schief und laut.
Ja ich bin kindlich, ja ich bin naiv, denn wie ein Kind, suche ich jedes Jahr nach dem Rentier im Himmel, das den Weihnachtsmann zieht!
Ist das schlimm?

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Du bist zu leichtgläubig mein Kind!

Oh ja das bin ich! Jedes liebe Wort, jedes Lächeln, jede Umarmung, jeder Händedruck gibt mir ein gutes Gefühl. Ich liebe meine kleine glückseelische Welt, in der Menschen das Gute in sich Tragen. Ich möchte nicht hinter jeder Geste eine Lüge entdecken. Ich möchte es wahr haben wollen- dass Worte und Gesten ehrlich sind.
Du bist zu leichtgläubig mein Kind- wie oft wurde mir das gesagt. Wie oft hatte man Recht! Aber wie oft hatte man auch Unrecht!
Ich gab Menschen eine Chance, die sonst keine erhalten hätten. Ich schenkte Situationen eine neue Bedeutung, die sonst unbeachtet geblieben wäre.
Ein kleines Lächeln, ein Augenzucken, ein Wort, ein Song, eine Melodie, eine Bewegung- alles hat seine Bedeutung, alles sollte wahrgenommen werden!
Warum mit zu viel Bedenklichkeiten hinhören und hinsehen?
Warum den Menschen nicht so kommen lassen wie er ist und später entscheiden ob ich ihm glaube oder nicht?
Warum die Chance nicht geben?
Warum immer gleich etwas Schlechtes vermuten?
Ja, ich bin zu leichtgläubig, ja ich gebe zu viele Chancen, und ja- es erfüllt mein Herz mit Wärme, trotzdem es auch manchmal schmerzt.

 

Festgefahren und nicht in der Lage für Veränderungen sein

Ich zähle mich zu den Menschen, die Veränderungen lieben und Neuem eine Chance geben. Dazu gehört auch eine Portion Naivität und der Glaube an das Gute sowie der Wille etwas zum Besseren zu verändern.
Ich stoße immer wieder auf Menschen, die diese Eigenschaft nervt.
Warum etwas ändern, wenn es doch läuft, warum etwas Neues schaffen, wenn das Alte sich bewährt?
Spüre ich dort eine Angst dem Ungewissen und Schlechtem mit Tat gegenüber stehen zu müssen?
Kann jedoch das Ergebnis nicht sogar besser sein, als der Ist-Zustand?
Bin ich zu leichtgläubig, dass Veränderung und Bewegung auch Positives bewirken?
Eine ernst gemeinte Frage, die ich in Zusammenhang mit meiner Leichtgläubigkeit ebenfalls stelle!

shadownlight


Ist naiv sein falsch?

In der heutigen egoistischen Welt ist Naivität mit Sicherheit nicht der vorteilhafteste Charakterzug. Wir naiven Menschen werden schnell über den Tisch gezogen, ausgenutzt und belächelt.
Aber, wir sind auch die Menschen, die der Wahrheit eine Chance geben, die anderen Menschen eine Chance geben.
Ich werde mich nicht ändern, ich bin so wie ich bin und entschuldige bitte, dass ich diese Charaktereigenschaft in mir trage.


Wenn auch du eine gesunde Naivität ausprobieren möchtest, dann probiere Folgendes:

– Gib Menschen eine zweite Chance!
– Höre dem Anderen genau zu.
– Achte auf Gesten und Mimik.
– Stelle dich neuen Herausforderungen.
– Sieh nicht sofort das Schlechte in Veränderungen.
– Gib Neuem eine Chance.
– Lache und träume wie ein Kind.
– Gib der Liebe eine Chance.
– Lerne aus deinen Fehlern und gehe achtsamer mit deiner Leichtgläubigkeit um.
– Sei unbefangen Neuem gegenüber.
– Genieße das Lächeln und Umarmungen anderer.
– Trau dich!

 

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36 Kommentare zu “Naiv sein ohne Reue?

  1. Huhu du Liebe,

    ich wünsche mir manchmal meine Naivität von früher zurück. Irgendwie war das Leben da leichter. Diese Unbeschwertheit war ganz einfach wunderbar.

    Ein schönes 4. Adventswochenende und herzliche Grüße – Tati

  2. Absolut klasse =) Dankeschön, werde es mir auf jeden Fall schmecken lassen.
    Danke dir auch ein schönes Wochenende. Muss morgen arbeiten, aber danach endlich paar Tage frei 😀

    Ein wirklich toller Post =) Ich war eine Zeit lang auch mega naiv, mittlerweile bin ich es nicht mehr. Die Menschen haben mich abgestumpft 😀 Mag zwar herzlos klingen, aber ich vertraue nur sehr wenigen, Leuten die ich ewig kenne und mir selbst. Neue Menschen haben es schwer, aber so is das eben, Selbstschutz is wichtig ^^

      1. Den Beitrag würde ich dann auf jeden Fall auch wieder lesen =)

        Dankeschön, werde ich sicherlich haben, was auch immer es am Ende wird 😀
        Danke das wünsche ich dir auch =) Bei mir wird es sehr entspannt.
        Liebe Grüße

  3. Liebe Jenny, was für ein wunderbarer und gefühlvoller Beitrag, der auch zeigt, was für ein offenherziger und einfühlsamer Mensch du bist. Ich kann dir Vieles so richtig nachfühlen und erst letzte Woche habe ich mir wieder mal an den Kopf gegriffen und gedacht „Wie konnte ich nur so gutgläubig sein“. Manchmal bin ich richtig schockiert, wie hinterhältig manche Menschen sein können – aber dafür allen anderen auch gleich mit Misstrauen begegnen? Ich muss dabei oft an das Zitat von Mark Twain denken: „Tanze, als würde niemand zusehen. Liebe, als wurdest du niemals verletzt. Singe, als würde niemand zuhören. Lebe, als wäre der Himmel auf Erden.“. Ein bisschen kindliche Naivität, verbunden mit den Erfahrungen unseres bisherigen Lebens sollte eine gute Richtlinie sein.
    Hab ein ganz wunderbares Weihnachtsfest mit lauter lieben Menschen und alles, alles Liebe

    1. Liebe Gesa,
      ich liebe das Zitat von Mark Twain sehr und es passt einfach wie die Faust aufs Auge.
      Auch ich wünsche dir ein wundervolles Weihnachtsfest.
      Liebe Grüße!

  4. Ich finde es Schade, dass „naiv“ mittlerweile so einen negativen Beigeschmack bekommen hat. Denn genau wie du schreibst, naiv zu sein, kindlich zu sein, hat doch auch so viele schöne Seiten! Dein Text gefällt mir wirklich sehr, und die Bilder dazu sind auch ganz toll geworden, du strahlst richtig! 🙂
    Grüße
    Nessa
    https://ichdupasst.blog

    1. Danke liebe Nessa. Ja ich habe mir auch lange Gedanken über dieses Thema gemacht und es hat definitiv auch potential zum Nachdenken und diskutieren.
      Liebe Grüße!

  5. Es ist ja eigentlich traurig, wenn man, umso älter man wird, immer mehr die Naivität und das Vertrauen verliert. Es bleibt auf Grund der Erfahrungen, die man so sammelt, leider nicht immer aus, aber es ist umso schöner, wenn man sich diesen Charakterzug erhalten kann! Das findet man nicht mehr so oft. 😉

  6. Danke für den Einblick in Deine Persönlichkeit. Ich beneide Dich ein wenig um Deine Naivität und kindliche Seite, denn sie bringt Leichtigkeit ins Leben.

    Schöne Weihnachten wünscht Dir Ines

  7. Schöner Post liebe Jenny. Ein bisschen Naivität sollten wir uns alle bewahren. Ich denke von Natur aus zu viel nach. War aber schon als Kind so. Dennoch bewahre ich mit ein wenig Kindlichkeit. Hoffe ich zumindest.

    Liebe Grüße Sabine

  8. Liebe Jenny,

    Ja, ich bin sehr oft noch naiv und glaube an das Gute im Menschen. Vielleicht ist das nicht immer richtig, aber ich empfinde es so und werde diese Eigenschaft nur schwer ablegen können.

    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein frohes Weihnachtsfest und ein frisches Wiedersehen 2019. Ich komme sehr gern bei dir vorbei.

    Liebe Grüße Sabine

    1. Liebe Sabine,
      ja so geht es mir auch. Bewahre es dir, auch wenn du manchmal dafür belächelt wirst.
      Auch dir ein wundervolles Fest und einen guten Rutsch!
      Liebe Grüße!

  9. Hallo, dein Text ist sehr schön und erinnert mich daran, als ich noch jung war und keine Kinder hatte und die Nacht zum Tag machte. Lang ist es her… Heute freue ich mich, wenn meine Kleine, ab und an nativ und ungezwungen ist. Liebe Grüße und einen schönen 4. Advent wünsche ich dir!

  10. Ein wunderschöner Post ist das. Im Herzen möchte ich stets ein Kind bleiben. Das war mir immer wichtig.
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein wunderschönes Weihnachtsfest!
    Alles, alles Liebe,
    Christine

  11. So wunderschön verfasst. Ich finde es super, dass du dir das bewahren konntest, obwohl dein Herz Narben hat. Ich muss zugeben, dass ich eigentlich im Grunde auch immer so war, doch die Erfahrungen von diesem und insbesondere letztem Jahr, haben mich etwas die Welt anders sehen lassen. Nun bin ich viel vorsichtiger und nicht mehr so naiv wie früher, hat bestimmt seine Vorteile wie Nachteile. Ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag liebe Jenny! GLG Ivi

    http://www.naomella.com

  12. Was für ein toller Text, liebe Jenny.
    Ich bin gerne mal naiv. Einfach, weil es bedeutet, anders zu sein, als es wieder andere erwarten. Natürlich macht man da viele negative Erfahrungen. Diese machen uns bzw. mich aber wieder stärker. Ich finde Deine Einstellung toll und freue mich, dass es noch mehr solcher Menschen gibt.

    Ganz herzliche Grüße von einer ebenso naiven
    Sandra

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