Lebensnah

Nicht dafür – Phrasen – Sprachmord VIII

In der Regel bedanken wir uns

Wenn einem etwas Gutes widerfährt, uns geholfen wird und wir einfach nur von Herzen dankbar sind, dann sagen wir „Danke“. Das „Danke“ ist ein Wort tiefster Verbundenheit.
Danke ist wie Bitte sagen, eine Höflichkeitsform, ein wahres Wort und hoffentlich auch von Herzen ausgesprochen. Es sollte ernst gemeint sein und eben keine Phrasendrescherei.


Als Kind lernte ich Danke sagen

Schon unsere Eltern fordern uns auf Bitte und Danke zu sagen. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als ich die flüsternden Worte meiner Oma oder Mutter hörte: „und jetzt bedanke dich dafür“. Mein Vater erzählte, dass seine Mutter ihn regelrecht anstieß um diese Höflichkeit auszusprechen. Recht so, denn es gehört sich und ist in jedem Knigge zu finden. Dankbarkeit ist keine Tugend, Dankbarkeit sollte jedem Menschen in die Wiege gelegt sein.


Danke – aber doch nicht dafür

Erst heute hatte ich ein wiederkehrendes Erlebnis, was mich dazu bewegte, meinen Gedanken in diesem Beitrag freien Lauf zu lassen.
Ich erhielt einen kurzfristigen Arzttermin und war tatsächlich sehr dankbar dafür. Immerhin konnte ich vor Rückenschmerzen kaum mehr laufen und ich wusste, dass mich der Arzt mit ein paar geschickten Handgriffen meines Leidens entledigen würde.
Als ich schmerzfrei aus dem Behandlungszimmer kam und mich verabschiedete bedankte ich mich bei den Helferinnen für den eingeschobenen Termin und erhielt zur Antwort:
„Nicht dafür!“
Wie immer stolpere ich an dieser Stelle gewaltig und möchte am Liebsten antworten: Doch genau dafür!
Ich bin mir bewusst, dass hinter dem Satz: „Nicht dafür.“ kein böser Gedanke steckt, sondern einfach nur eine unbedachte Antwort auf mein Danke.
Oftmals weiß ich damit nicht so recht umzugehen, denn diese Phrase lässt mich immer wieder aufs Neue stocken.
Soll ich darauf nochmals antworten, oder soll ich es im Raum stehen lassen?
Meinem Gesprächspartner ist sicherlich nicht einmal bewusst, dass er mit seinem „Nicht dafür.“ meine Danksagung untergräbt.


Kein Ding

Eine weitere Phrase, die eher unter Jugendlichen Gebrauch findet ist sinnesgemäß ähnlich dem „Nicht dafür.“ – „Kein Ding… (am Besten noch angehängt mit „nicht“). Kein Ding für was? Für mein Danke, dass von Herzen ausgesprochen wurde? Doch es ist ein Ding, und was für Eines sogar! Ich wollte nur meine Dankbarkeit aussprechen und erhalte zur Antwort: Kein Ding. Was mich natürlich ebenso sprachlos stehen lässt.


Sind wir uns dieser Phrasen bewusst?

Ich denke nein. Wir Menschen haben wohl oftmals das Gefühl einem entgegengebrachten „Danke“ abzuwinken und es mit Phrasen zu untermauern. Damit möchte man ausdrücken, dass die Hilfe selbstverständlich war oder der Aufwand zur Hilfe sehr gering.


Ein Danke als Danke hinnehmen

Eventuell wäre es dem Dankesagenden gegenüber schöner, dieses Wort in vollem Ernst zu betrachten und zu antworten:
Das habe ich gerne getan.
Das war doch selbstverständlich.
Immer wieder gern.
Ich vermute, dass solche Antworten dem Dankesager nicht in Verlegenheit bringen und sich er sich ernst genommener fühlt.
Nehmen wir doch ein Danke als das was es ist und gehen mit unserer Sprache bewusster um.

Wie steht ihr zu solchen unbedachten, aber nicht böse gemeinten Phrasen?

Teile diesen Beitrag

35 Kommentare zu “Nicht dafür – Phrasen – Sprachmord VIII

  1. Das hast du sehr schön geschrieben und es spricht mir aus der Seele. Habe mich auch schon des öfteren gefragt was ich auf, nicht dafür, antworten soll.

    Wünsche dir ein tolles Wochenende, liebe Grüße <3

  2. Meine Kollegin sagt das auch immer. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ich Danke sage möchte ich auch, dass es so angenommen wird. Mir wäre ein Gerne als Antwort viel lieber.
    Liebe Grüße
    Susanne

  3. Liebe Jenny.
    Ich bedanke mich so oft… oft auch für Sachen, die normal und nicht erwähnenswert sind. Aber ich glaube, das bekomme ich nicht mehr aus mir heraus. Andererseits kommt von mir als Danke… gern oder alles ok.
    LG Sabine

  4. Geht mir genauso wie Dir mit dieser Floskel. In Hamburg verwendet man sie umgekehrt, es heißt dann „da nich für“ (das t bei nicht fehlt absichtlich). Ich hatte genau so eine Situation im Winter beim Vertretungs-HNO, wo ich in der Erkältungshochzeit beim fremden Arzt in unter einer Stunde morgens dran kam und alles wie am Schnürchen in der Praxis lief trotz diverser Notfälle und der Vertetung eines anderes HNOs (zu dem ich sonst gehe). Beim Verabschieden habe ich mich bei der Praxismanagerin am Empfang nochmal bedankt, dass ich a) überhaupt kommen durfte b) spontan am selben Tag des Anrufs morgens c) so schnell behandelt wurde. Sie sagt nur „da nich für“ und war völlig irritiert, dass ich mich für diese – in ihren Augen wohl Selbstverständlichkeit – bedankte und so darüber freute. Aber gelächelt hat sie immerhin dennoch und sich dann wohl auch über meine Worte gefreut.

    Warum einige Praxen solche super Abwicklung schaffen und ich bei meiner Hausärztin 3 Stunden Minimum in der Praxis zugebracht hätte, wenn ich überhaupt dran gekommen wäre, werde ich allerdings nie verstehen. Aber das ist ein andere Thema …

    Ein schönes Wochenende und alles Gute für Deinen Rücken wünscht Dir Ines

    1. Hey,
      danke für deinen Erfahrungsbericht dazu. Immerhin scheint die Phrase ja, wenn auch etwas abgewandelt, auch bei euch Gang und Gebe zu sein.
      Liebe Grüße!

  5. Ich bin schon länger um das Lenor geschlichen. Jetzt mit den Payback Extra-Punkten konnte ich nicht mehr widerstehen 😀 Es riecht toll, freu mich schon aufs Waschen.

    Ich bedanke mich aber auch immer für alles 😀 Genauso wie ich mich für alles entschuldige, auch wenns gar nichts Großes is, aber irgendwie bin ich so aufgewachsen haha.
    Liebe Grüße

      1. Manchen gehe ich damit auf den Keks, aber sie wissen eben ich bin so 😀 Ich freue mich immer wenn man sich bei mir bedankt ^^

        So ein Ventilator is schon echt praktisch, bin froh jetzt auch endlich einen für daheim zu haben 😀
        Liebe Grüße

  6. Wie Recht du hast!
    Als ich zum ersten Mal dieses „nicht dafür …“ gehört habe, kam das von einem Servicemitarbeiter einer Firma in Norddeutschland. Und anscheinend ist diese Phrase im Norden verbreiteter, als bei uns im Süden. Wir sagen in einem solchen Fall: „Bitte sehr“ oder „Gern geschehen“.
    Damals aber war ich so verblüfft, dass ich den Mann zurück gefragt habe, für was ich mich denn bedanken sollte, wenn nicht dafür (dass er mir geholfen hat)
    Aber sowas kann man am Telefon dann auch wieder nicht diskutieren.
    LG Sabienes

    1. Liebe Sabienes,
      hier in NRW, zumindest in meiner Region ist das verbreitet.
      Deine Reaktion am Telefon war richtig, vielleicht sollte ich mir die Frage mal einprägen und ähnlich reagieren um einen kleinen Denkanstoß zu geben.
      Liebe Grüße!

  7. Hallo Jenny,
    all diese Phrasen benutze ich eigentlich nie. Wenn sich jemand bei mir bedankt, antworte ich meist mit „Bitte, gern geschehen“.
    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag,
    Christine

  8. „Da nich für“ zu einem Danke sagt man auch bei uns. Ähnlich wie bei Ines in Hamburg. Ich habe das eigentlich noch nie als so schlimm empfunden. Eher anstatt „gern geschehen“. Wobei „gern geschehen“ vielleicht ein wenig passender wäre.

    Liebe Grüße Sabine

  9. Servus Jenny,

    jaaa, du hast so recht. Ich mag’s auch nicht, wenn ich auf ein „Danke“ die Worte „Nicht dafür!“ höre. Dieses „Kein Ding“, finde ich komischerweise gar nicht mal so schlimm, weil die meisten sowas wie „Gerne, kein Ding!“ sagen. Davon fühle ich mich nicht so unangenehm berührt.

    Einen guten Wochenstart und herzliche Grüße – Tati

  10. Liebe Jenny, wie recht du hast. „Nicht dafür“, da habe ich mich auch immer gefragt, was das für eine Antwort ist und so geht es mir mit vielen Phrasen. Das passt ja oft gar nicht 🙂

    LG Christine

  11. Liebe Jenny,
    ich bedanke mich auch oft, und auch beim Arzt. Da bin ich ganz altmodisch, konservativ. Und bekomme auch manchmal die Antwort: Nicht dafür. Aber ich fühle mein Danke dadurch nicht abgewertet, habe sogar den Eindruck, dass es Ernst genommen wird. Ich betrachte es sogar als Wertschätzung. Denn andererseits kann ich ein Danke nicht mehr ernst nehmen, wenn ich es dauernd für jede Kleinigkeit höre. Wir hatten mal eine amerikanische Austauschschülerin für zwei Wochen bei uns. Und die hat sich immer weiter und ständig für alles mögliche bedankt. Das war mir ehrlich gesagt zuviel und mit jedem Danke wuchsen meine Zweifel, ob sie es wirklich auch so meint, oder ob sie es einfach nur so gelernt hatte.
    Ich wünsche Dir einen schönen Start in die Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,
      abwertend wäre vielleicht auch etwas zu krass- eher als unangenehm weil ich das Gefühl habe darauf noch einmal antworten zu müssen.
      Zu viel Danke ist natürlich auch übertrieben, jedoch altmodisch oder konservativ finde ich die Umgangsformen ganz und gar nicht. Es gehört einfach zur Höflichkeit dazu :).
      Liebe Grüße!

  12. Liebe Jenny, was für ein interessanter Beitrag. „Danke“ ist einfach so ein wichtiges Wort in unserem Zusammenleben, weil wir den anderen Menschen damit zeigen, dass wir ihre Handlungen anerkennen und respektieren, dass wir uns vielleicht über eine Hilfestellung oder Unterstützung freuen. Doch den Ausdruck „Dafür nicht“ als Antwort habe ich bisher noch nie gehört, der dürfte bei uns anscheinend nicht geläufig sein – da gibt es eher „Bitte, gerne geschehen“ oder vielleicht noch „Das habe ich gerne gemacht“. Aber trotzdem hast du mit deinem Beitrag etwas Wunderbares vermittelt, nämlich dass es nicht nur wichtig ist, dass wir uns bei anderen bedanken, sondern auch , dass wir den Dank von anderen annehmen können.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.