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Wie das Leben so spielt – Weisheiten

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Erst heute habe ich ein wunderbares Zitat gelesen:

Das verrückte am Leben ist, dass man vorwärts lebt und rückwärts versteht.

Die Weisheiten meiner Großeltern und Eltern wollte ich damals nicht hören, oder zumindest wahr haben. Was hatten die schon für eine Ahnung vom Leben? Mein Schmerz, meine Gedanken, mein Liebeskummer, meine Sorgen und Freuden gehörten nun mal mir. Über mögliche Konsequenzen meines Handelns war ich mir damals nicht bewusst. Dass die Älteren natürlich viel weiser sind und Lebenserfahrung mit sich bringen, wollte ich nicht sehen. Immerhin ist es mein Leben und meine Gefühle und ich war mir in meiner Jugend sicher, dass diese niemand nachvollziehen konnte.

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Sprüche die uns allen wohl bekannt sind

Mama sagte immer: Liebeskummer lohnt sich nicht, andere Mütter haben auch schöne Söhne. Oma pflegte mir zu sagen: Kind, du machst dir einfach zu viele Gedanken, kommt Zeit kommt Rat.
Lerne für das Leben- war eines der Zitate die mein Opa liebte.
Doch was interessierten mich die Weisheiten? Ich musste wohl Freud und Leid am eigenen Leibe erfahren, Lösungen finden, Wege bestimmen, weinen und lachen.
Wie ein Kind das trotz Warnung auf die heiße Herdplatte fasst.

Mir war die Narrenfreiheit gegönnt

Ein Narr war ich und bin ich heute zum Teil immer noch. Die weisen Sprüche der Sorgenden konnte ich nicht annehmen. Ich hatte Narrenfreiheit an vielen Punkten meines Lebens. Ein Grund warum ich des Öfteren litt und schmerzhafte, aber auch schöne Erfahrungen sammeln durfte. Missen möchte ich diese nicht, sie haben mich zu der gemacht, die ich heute bin.

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Warum ich Weisheiten von älteren Menschen nie annahm

Ich bin der Meinung, dass man als Jugendlicher nicht verstehen kann und auch nicht möchte. Man muss sich selber verbrennen um die Wahrheit zu erkennen. Das ganze Gerede der Erwachsenen ist definitiv gut gemeint, jedoch in vielen Situationen nicht umsetzbar.
Wenn du noch nie eine Pizza gegessen hast, weißt du nicht wie sie schmeckt. Die Erfahrung musst du selber machen und entscheiden, ob dein Gefühl und deine Sinne richtig oder falsch sind… entscheiden, was für dich gut ist.

Ich bin öfter auf die Schnauze gefallen

Rückblickend gestehe ich, dass meine Familie recht hatte, dass sie mich schützen ihre Erfahrungen an mich weiter geben wollten. Heute tendiere ich zu gleichermaßen Handeln in Gegenwart von jungen Menschen. Nicht, weil ich klüger sein möchte, sondern weil ich aus eigener Erfahrung spreche.
Ich selber hätte mir viel Schmerz ersparen können, aber vielleicht machen mir genau diese Erfahrungen heute das Leben leichter und verständlicher.

Die Welt aus emotionaler Sichtweise

Wahrscheinlich gehöre ich zu den Menschen, die die Welt sehr emotional betrachten. Immer wieder suche ich das Gute. Wenn es schmerzt hinterfrage ich warum, wenn es schön ist suche ich nach dem Grund des wundervollen Gefühles und versuche es zu vermehren. Ich leide wenn andere leiden, ich freue mich wenn andere glücklich sind. Tränen und Lachfalten gehören zu mir wie meine mittlerweile grauen Haare. Vielleicht ist es unklug den Selbstschutz so auszuschalten in der Gefahr erneut verletzt zu werden. Ich bin so wie ich bin und deshalb lerne ich nie aus. Das Vermeiden von schlechten Gedanken fällt mir leicht, ich suche ich das Glück, die Liebe, das Verständnis, das Vertrauen.

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Lernen los zu lassen

Ich kann die Welt nicht retten. Oftmals sind meine Handlungen nicht kognitiv, sondern Herz gebunden. Erst hinterher verstehe ich, was ich hätte anders machen sollen, an welchen Stellen ich hätte los lassen sollen. Los lassen können und den Verstand walten lassen, etwas, was ich dringend noch lernen muss.

Ich bin schon groß

Eine meiner Lieblingssprüche, doch bin ich das wirklich?
Zurück zum Zitat:
Das verrückte am Leben ist, dass man vorwärts lebt und rückwärts versteht.
Nein ich bin nicht groß, ich lerne jeden Tag aufs Neue, verstehe die Weisheiten meiner Eltern und Großeltern, verstehe die Hintergründe und die Liebe des Schutzes. Vieles muss ich noch erlernen- oder ich bin doch so wie Oma sagte: ein kleines Sensibelchen, dass sich zu sehr um alles sorgt und Antworten sucht.

Wir können auch anders

„Sei dir sicher, dass wir auch anders können.“ Fettes Brot – kann ich. Grenzen kenne ich, erkenne diese vielleicht später als andere, aber macht mich das nicht reicher an Erfahrungen? Mach mich das nicht reicher an Weisheit und Verständnis? Macht nicht genau das meine Person aus?

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51 Kommentare zu “Wie das Leben so spielt – Weisheiten

  1. Doch, du bist schon gross. Wärst du es nicht, könntest du deine Gedanken nicht in dieser Form reflektieren. Gross sein ist nicht gleichgesetzt mit „alles wissen und können“…sondern mit der Fähigkeit reflektieren zu können. Zumindest meine Auffassung. 😘

  2. Ich habe mal gelesen, dass es „Macher“ und „Träumer“ gibt. Während die Macher sehr leicht das Verhalten von anderen adaptieren und neue Dinge durch Tipps und Erklärungen lernen können, fällt das den Träumern sehr schwer – sie müssen ihren eigenen Zugang zu den Dingen finden, sich selber damit beschäftigen und alles selber ausprobieren. Ich bin eindeutig ein Träumer, auch wenn ich manchmal lieber ein Macher wäre – ich stelle mir das viel unkomplizierter vor. Daran musste ich beim lesen deines Textes irgendwie sofort denken… du scheinst auch eher ein Träumer zu sein 🙂
    Grüße
    Nessa
    https://ichdupasst.blog

    1. Liebe Nessa,
      aus der Sicht habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich bin dann wohl definitiv der Träumer 🙂 und das finde ich tatsächlich gut so, denn nur aus eigenen Erfahrungen kann man lernen und das Nachmachen anderer liegt mir eh fern :).
      Liebe Grüße an dich!

  3. Schöner Text! Ich sehe das immer wieder bei meinen Schülern, dass ich ihnen oft Dinge sage, die ich selbst früher gehört habe und nicht so recht annehmen wollte. Das gehört halt einfach zum Älterwerden dazu, dass man diese Weisheiten auch anerkennen kann =)
    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

    1. Hey,
      ja das ist definitiv so und der Unterschied ist beim Älter werden, das man dann Rückschläge, auf Grund von eigenen Erfahrungen besser verdauen und einschätzen kann. Vielleicht sollten wir das den Jugendlichen einfach zugestehen- auch wenn es mir schwer fällt :).
      Liebe Grüße!

  4. In jeden einzelnen Satz erkenne ich mich wieder 🙂 Und den Vergleich mit der Pizza ist großartig und sehr treffend 🙂 Genau so ist es! Obwohl ich gerne weniger „Steine“ im Weg liegen hätte machen sie mich zu dem was ich bin!
    LG Natascha

  5. Liebe Jenny, vielen Dank für diesen wunderbaren und doch sehr persönlichen Beitrag. Ich habe bei Vielem richtig mitfühlen können und mich gleich wieder in die Kindheit und Jugendzeit versetzt gefühlt. Da habe ich auch oft gedacht, dass ich diese guten Ratschläge nicht brauche, dass ich selbst weiß, was für mich am besten ist, dass ich ohnehin die besseren Entscheidungen treffe. Oft wurde ich aber danach gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und meine Träume haben sich doch nicht alle verwirklicht. Auf ein „Das habe ich eh gewusst“, „Hättest du nur mal auf mich gehört“ hätte ich dann gerne verzichtet, obwohl ich zähneknirschend zugeben musste, dass etwas Wahres daran ist.
    Ich wünsche dir ein ganz wunderbares Wochenende und alles Liebe

    1. Hey,
      zum Glück musste ich mir dann diese Sprüche: Ich habs dir ja gesagt…, nicht anhören. Ich vermute, meine Familie hat sich selber an die Kindheit erinnert und wusste wie das Messer dann pickst.
      Aber hey, aus uns ist ja was geworden :).
      Liebe Grüße!

  6. Den Kommentar von Melanie ganz oben finde ich sehr passend. Ein sehr schöner Post und wahre Worte! Ich erkenne mich selbst wieder,denn selbst mit 61 Jahren lernt man noch, versucht zu vermeiden und mit Ratschlägen vorzubeugen. Liebe Grüße von Silvia

  7. Liebe Jenny, das ist wieder einmal ein ganz wundervoller Bericht. Ich finde immer, dass solche Beiträge deine Webseite ausmachen und mir viel über dich und deine Ansichten erzählen. Auch ich bin solch eine Mutter, die gern Weisheiten an ihre Kinder weiter gibt. Eigentlich sind es keine Weisheiten, sondern ich weise auf bestimmte Sachen hin. Da ich es von mir kenne, kann ich mir schon fast denken, dass sie in den seltensten Fällen angenommen werden. Aber vielleicht habe ich ja doch manchmal Glück, meine Kinder auf meine Art und Weise dadurch zu schützen. Liebe Grüße Sabine

    1. Liebe Sabine,
      du machst das genau richtig. Heute weiss ich auch, dass meine Eltern immer Recht hatten und ich bin ihnen sehr dankbar für die Worte :).
      Liebe Grüße!

  8. Ein schöner und auch wundervoll persönlicher Beitrag! In vielen Weisheiten findet man das wieder, was man selbst auch schon so erlebt hat. 🙂

    Liebe Grüße <3

  9. Dankeschön, finde ich auch =)

    Ein super schöner Beitrag.
    Ja die guten alten Weisheiten, am Ende lernen wir sie alle auch mal persönlich kennen 😀
    Los lassen können muss ich auch irgendwann mal lernen, mal sehen wann das klappt.
    Liebe Grüße

  10. Sehr schön geschrieben und ich finde mich darin wieder. Als junge Frau hab ich die Augen verleiert, wenn meine Oma mit solchen Sprüchen ankam, jetzt nutze ich sie selber bei den eigenen Kindern 😉 LG Romy

  11. Heute denkt man oft an die Sprüche von Oma oder Mama. Und heute gibt man sie an seine Kinder weite mit dem Wissen, dass sie genauso darüber lachen wie wir früher. Aber auch sie werden es mal verstehen.
    Liebe Grüße
    Susanne

  12. Ein wirklich wundervoller Beitrag liebe Jenny! Ich erkenne mich darin in vielen Punkten wieder. Ich bin auch emotional und mein Herz leitet mich durchs Leben. Ist bestimmt oftmals mit mehr Schmerz und Enttäuschungen verbunden, aber all diese Erfahrungen machen uns reicher. GLG Ivi

  13. Huhu Jenny,

    ein sehr schöner Beitrag und so wahr. Ich finde mich in ganz vielen Sätzen wieder. Heute ist es so, dass ich mich ganz oft dabei erwische, dass ich meinen Jungs solch „kluge Sprüche“ an den Kopf werfe. 😉 🙂

    Herzliche Grüße und einen schönen Start in die Woche – Tati

    1. Liebe Tati,
      ich finde, dass du alles richtig machst, denn irgendwann werden sie dir dankbar sein, in dem Wissen, dass du sie beschützen wolltest!
      Liebe Grüße!

  14. Ich habe die Sinnsprüche meiner Eltern und Großeltern echt gehasst! In den 60ern und 70ern hatte man ganz besondere Flausen im Kopf.
    Aber natürlich habe ich ein Großteil dieser Weisheiten und auch noch ein paar eigene bei meinen Kindern selbst angebracht und habe nicht immer nur Applaus geerntet. (“ … Och … Mama ….!!!“)
    Ich glaube, dass manche Sprüche oder Weisheiten, wenn sie wirklich gut sind – also lebensnah, fundiert – ihre Wirkung im Unterbewusstsein entfalten. Und einem dort weiterhelfen. Liebeskummer lohnt sich nicht? Das ist hart, wenn einem gerade das Herz gebrochen wurde. Besonders, wenn es sich um einen Typen gehandelt hat, bei dem es sich wirklich nicht lohnt.
    Aber dafür braucht man einfach Abstand.
    LG
    Sabienes

    1. Liebe Sabienes,
      du hast vollkommen Recht- deshalb sind mir auch die Weisheiten im Kopf geblieben, einfach weil ich irgendwo wusste, dass sie Recht hatten, es aber nicht annehmen wollte.
      Meine Mama hatte wohl eine Spürnase für doofe Jungs und ja, sie hatte tatsächlich auch hier Recht, oftmals, und das sehe ich heute so, hat sich keine einzige Träne gelohnt :P.
      Liebe Grüße!

  15. Schöne Worte hast du gefunden, in denen viel Wahres steckt. Trotzdem glaube ich, dass man viele Dinge einfach selbst erleben (erleiden) muss, um zu wissen, dass die anderen Recht hatten. Man muss die Pizza probieren… anders geht es irgendwie nicht.
    Viele liebe Grüße an dich

  16. Meine Narrenfreiheit habe ich bis ich ins Internat gekommen bin habt. Danach war Stillstand. Die lieben Weisheiten kenne ich nur zu gut, die du aufgezählt hast. Heute erwische ich mich manchmal, dass ich sie zu meinen Kinder sagen 😉 Lg

  17. Für mich waren Weisheiten früher immer bloß Geplapper der Erwachsenen, das habe ich nie wirklich angenommen. Heute habe ich mich oft davon selbst überzeugt wie in deinem Titel gesagt. Ich denke, den Weg machen die meisten.
    Liebe Grüße

  18. So ein schlauer und gefühlvoller Text.
    Ich denke, dass es gut ist, dass Jugendliche die „Weisheiten“ der Älteren nicht umsetzen (können?). Dann gäbe es nämlich keine Weiterentwicklung, kein Hinterfragen von alten Regeln, Grenzen, Gepflogenheiten. Wo wäre dann heute unsere Zivilisation? Im Mittelalter? In der Steinzeit, oder würden wir noch auf Bäumen wohnen.
    Und wenn es eine Sache gibt die bisher keiner konnte und dann wird einer geboren der es kann und der versucht es nicht, weil die Alten sagen es geht nicht?!
    Wunderschönes Zitat dazu: Alle sagten „das geht nicht“. Und dann kam einer der wusste das nicht und tat es einfach.
    In dem Sinne alles Liebe, Miss Bluejay

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