Lebensnah

Die Magie der Weihnacht

Wir hatten gerade das typische Heilig Abend Essen hinter uns und schluckten den letzten Kartoffelsalat herunter. Dann klopfte es plötzlich laut an der Tür des Wohnzimmers und wir Kinder erstarrten.
Sollte das schon der Weihnachtsmann sein?
Mir gingen so viele Fragen durch den Kopf:

  • War ich immer artig?
  • Was antworte ich auf diese Frage, wenn der Weihnachtsmann offensichtlich die Rute unter seinem Mantel hervorscheinen ließ?
  • Habe ich mein Gedicht auswendig gelernt? Was wenn ich beim Aufsagen holpere?
  • Hat er überhaupt meinen Wunschzettel erhalten?
    Ich fragte mich, ob ich den Weihnachtsmann fragen darf, wo genau er wohnt, wo er die Rentiere geparkt und wie viele Geschenke er schon verteilt hatte.

Mir rauchte der Kopf als meine Eltern die Tür öffneten und der Mann mit seinem roten Mantel, schwarzen Stiefeln, dem weißen langen Bart und dem großen Sack auf seinem Rücken, eintrat.
„Hohoho“ ertönte es, „Seid ihr auch immer artig gewesen?“
Meine kleine Schwester hielt ihm mutig ihren Schnuller entgegen, den sie symbolisch abgeben und danach nie wieder einen nutzen wollte.
(Im Übrigen hatte sie einen Ersatz Schnuller unter ihrem Bett versteckt, das weiß der Weihnachtsmann aber bis heute nicht!)
Auf Grund ihrer Furchtlosigkeit durfte sie als Erste ihr Gedicht aufsagen und bekam im Tausch zum Schnuller, ihre Geschenke. Ihr kleiner Kopf drückte sich in den dicken Bauch des Weihnachtsmannes.
Sie hatte es geschafft und nun war ich an der Reihe.

Der Weihnachtsmann fragte mich die kritische Frage, ob ich immer artig gewesen sei. Na gut, wohl nicht immer, ich beichtete… und musste versprechen, dass ich von nun an auch meine Butterbrote in der Schule esse und diese nicht in den Wald warf um zu Hause sagen zu können, ich hätte alles aufgegessen. Aber mal ehrlich, wer mochte seine Schulbrote schon gerne essen?
Schweren Herzens stimmte ich dem Deal zu, sang mein Lied vor „Leise rieselt der Schnee“ (damals konnte ich noch singen!) und hatte mir somit auch meine Geschenke verdient.
Und weil ich etwas größer als meine Schwester war, konnte ich dem Mann im roten Gewand sogar ein Küsschen auf die Wange geben. Er beugte sich leicht zu mir herunter und dann…
Hatte ich die Watte an Lippen kleben.
Watte? Bart? Bart? Watte? Moment… nein- das war bestimmt ein Missverständnis, denn den Weihnachtsmann gab es wirklich. Oder wie kamen meine Geschenke in seinen Rucksack?
Erst später nahm ich mir die Zeit um darüber nachzudenken und war mir ab diesen Zeitpunkt nicht mehr sicher, ob der Weihnachtsmann wirklich existiert.

Das magische an Heilig Abend ist das, was wir uns bewahren sollten. Leuchtende Kinderaugen, Geschenke, Dankbarkeit, das Christkind, der Weihnachtsmann, die Geburt Jesu, der Tannenbaum, die Kerzenlichter, der Geruch nach Gebäck, die Magie und der Wunsch, endlich die Rentiere zu sehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes, friedliches, magisches und wundervolles Weihnachtsfest mit vielen leuchtenden Augen.

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10 Kommentare zu “Die Magie der Weihnacht

  1. Liebe Jenny, was für eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte. Ich kann dabei richtig die Aufregung der beiden kleinen Mädchen spüren und würde sie am liebsten an der Hand nehmen, um sie etwas zu beruhigen. Andererseits ist diese Spannung und Vorfreude und ihr unerschütterlicher Glaube an den Weihnachtsmann wunderbar – das kann auch ein bisschen Watte nicht zerstören.
    Hab ein ganz wunderbares Weihnachtsfest mit deinen Lieben und alles, alles Liebe für 2020

    1. Ganz ganz lieben Dank Gesa!!!
      Ja die beiden Mädchen 🙂 – das sind Erinnerungen die bleiben.
      Auch dir wünsche ich ein wundervolles Fest im Kreise deiner Liebsten und vor allem Gesundheit für das neue Jahr.
      Liebe Grüße!

  2. Liebe Jenny,

    bei uns kam nie der Weihnachtsmann, immer das Christkind, ganz leise und zart. Gesehen haben wir es (logischerweise) nie, aber wenn das Glöckchen klingelte wussten wir, es war da. Diese Tradition haben wir bis heute beibehalten, selbst jetzt, wo die Jungs schon „groß“ sind. 🙂

    Dir und deinen Lieben ein wundervolles Weihnachtsfest!

    Herzliche Weihnachtsgrüße, Tati

  3. Schöne Weihnachtsgeschichte! Bei einem Neffen hat der Weihnachtsmann immer die „Sündenliste“ des Vorjahres verlesen und um Besserung fürs nächste Jahr gebeten. Was soll ich sagen? War leider nötig …

    Entspannte, fröhliche Weihnachten wünscht Dir
    Ines

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