Lebensnah

Starke Menschen sind bescheiden – Interview mit Eddie Bennett

Ed Bennett, ein junger Mann den ich zufällig über eine Freundin kennen lernen durfte, ist ein ganz faszinierender begnadeter Gitarrist!
Kaum zuvor stand mir der Mund bei musikalischen Hörproben so offen. Dass ich Ed ins Interview für meine Kategorie „Starke Menschen“ nehmen musste stand fest. Ich hatte so viele Fragen und war ganz gespannt darauf ihn in einem Lokal in Paderborn zu treffen!

Ed zeichnet sich optisch durch seine längeren lockigen Haare aus und erscheint lässig. Sein warmer Gesichtsausdruck und seine weiche Stimme vermittelten mir bei unserem Treffen sofort ein gutes Gefühl. Eddy ist Engländer und aufgrund dessen war ich doppelt so nervös und fragte mich, ob ich es schaffen werde, Emotionen und Fragen eins zu eins in der Übersetzung zu vermitteln.

Angekommen in einem sehr schönen Kellergewölbe eines Lokals, erzählte mir Ed, dass er hier schon einige Male Gitarre gespielt hätte und der Sound besonders toll wäre.
Wir setzten uns, ich öffnete meinen Laptop und legte sofort los, denn ich war sehr gespannt hinter die Kulissen sehen zu dürfen.

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Jenny:

Hey Ed, danke dass Du Dir die Zeit für mich nimmst!
Ich kenne Dich ja nun kaum persönlich und erinnere mich nur an einen kurzen Wortwechsel auf dem Rolling Stones Konzert. Möchtest du mir erst einmal etwas Persönliches über Dich erzählen, zum Beispiel wie alt Du bist und wo Du herkommst?

Eddie:
Ich bin in Paderborn geboren, meine Eltern sind Engländer. Durch die Arbeit meines Vaters bin ich des Öfteren umgezogen, aber immer in englische Schulen gegangen. Mittlerweile bin ich 20 Jahre alt.

Jenny:
Was mich natürlich sofort brennend interessiert: Wo hast Du so fabelhaft Gitarre spielen gelernt?

Eddie:
Ich spiele Gitarre seitdem ich 11 Jahre alt bin und habe auch nie etwas anderes getan. Da gab es einen Kollegen meines Vaters, der mal die Gitarren für Status Quo reparierte, bei ihm hatte ich ungefähr vier Mal Unterricht. Seitdem bringe ich mir alles selber bei.
Ich nahm mir die CDs meines Vaters, wie die von den Rolling Stones und anderen Bands und hörte bewusst die Gitarre heraus. Einiges erlernte ich auch durch Videos, aber alles weiterhin ohne Lehrer. Also um es kurz zu sagen: Ich lehrte mich das Spielen selber.

Ich war sehr erstaunt darüber und ich vermute, dass man mir das auch ansah. Ich tippte fleißig alles auf dem Laptop mit, hatte aber das Bedürfnis, meine Bewunderung nicht verstecken zu wollen. So schaute ich ab und zu auf und fragte gleich die nächste Frage.

Jenny:
In welchen Bands spielst Du oder hast Du gespielt?

Eddie:
Oh ich habe in einigen Bands gespielt. Seitdem ich 9 Jahre alt bin war ich immer an der Seite von Paul Gough der unter anderem bei Cheap Dirt oder German Scotch singt.
Aber ich habe auch schon viel mehr gemacht als nur in Cover Bands Gitarre zu spielen. Zum Beispiel hatte ich Auftritte im Las Vegas Mandalay oder in London. Meistens spiele ich dort alleine und ich genieße es sehr.

Dann begannen Eddys Augen zu leuchten und seine Gestik wurde mit einem Mal sehr impulsiv. Nun war ich ganz gespannt was er jetzt erzählen wird.

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Eddie sagte:

Aber der coolste Auftritt war in London in The Troubadour. Der Gitarrist von Led Zeppelin- Jimmy Page– kam um mich spielen zu sehen. Ich war so schrecklich nervös!
Stell Dir vor, Jimmy Page!!! Er wusste, dass ich nervös war und hörte sich meinen Gitarrensound erst einmal für 20 Minuten von Draußen an, bevor er die Bar betrat.
Später dann, als er rein kam, wurde ich ihm vorgestellt und das war einfach das Größte! Jimmy Page!!!

Eddies Augen leuchteten.
Er erzählte nahtlos weiter und ich wollte ihn auch nicht unterbrechen, da ich bemerkte, wie sehr er in seinem Element war.
Seine Leidenschaft zur Musik war in jedem seiner Sätze spürbar.

Manchmal, sagte Eddie, bin ich auch mit Light Power unterwegs. Den Boss, Herrn Wezorke kenne ich schon lange. Durch seine Aufträge spiele ich hier und da einen Gig alleine oder helfe auch bei anderen Bands aus. Ach und falls du Light Power nicht kennen solltest, das Unternehmen ist in der ganzen Welt tätig und steht für professionelle Bühnenbeleuchtung wie zum Beispiel bei den Konzerten der Rolling Stones.

Jenny:
Stimmt, wir hatten uns auf dem Konzert der Rolling Stones getroffen, bei dem ihr für die Light Show zuständig gewesen seid und ich erinnere mich, dass Du Backstage-Karten hattest! Hast Du die Stones hautnah getroffen?
Jetzt war ich diejenige, die sehr aufgeregt war!!!

Eddie:
Leider nicht, die Band ist direkt nach dem Auftritt abgereist, aber ich durfte alle Gitarren von Keith Richards sehen!

Er holte sein Handy aus der Tasche und öffnete die Bildergalerie.
Ich war sehr nervös, denn schließlich ging es gerade um die Rolling Stones! Eddy blätterte auf seinem Handy und bemerkte nebenbei, dass er großer Fan von den Stones und vor allem von Keith sei.
Dann hielt er inne und schob mir sein Handy über den Tisch.
Ich sah ein Video, dass eine Aufnahme von verschiedenen Gitarren zeigte. Es waren die Gitarren von Keith Richards und besonders gezoomt die der von Honky Tonk Women!

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Eddy hatte all das live sehen dürfen?! Wahnsinn!

Jenny:
Gerne wollte ich aber mehr erfahren und fragte: Welche Prominenz hast Du schon persönlich getroffen?

Eddie:
Ach, ich habe den Typen von Black Sabbat getroffen, den Drummer von Cream, Howard Leese von der Band Heart, aber das Beste war natürlich Jimmy Page!

Jenny:
Das kann ich mir gut vorstellen- Jimmy Page ist natürlich ein ganz besonderer Musiker!
Sag mal, was war dein aufregendster Auftritt? Immerhin spielst du so fantastisch Gitarre, dass der Applaus nie auf sich warten lässt.

Eddie:
Naja, eigentlich spiele ich nur Gitarre wenn ich auf der Bühne stehe. Da bin ich so in meinem Element und meine Haare lassen mich das Publikum sowieso nicht sehen. Auf dem größten Konzert waren ca. 4000-5000 Menschen. Egal was um mich herum passiert, ich mache eben das was ich kann: Gitarre spielen und darauf konzentriere ich mich am Meisten.

Ich bin erneut beeindruckt von seiner großen Bescheidenheit. Immerhin stand er schon mit 13 Jahren mit Cheap Dirt auf der Bühne!


Jenny:

Du sagtest, dass Du jetzt ein eigenes Album heraus gebracht hast. Kannst Du mir etwas darüber erzählen?

Eddie:
Ja ich interessiere mich nicht so sehr für Cover Bands, ich mache lieber mein eigenes Ding und das ist genau das, was ich kann und möchte und damit bin ich glücklich!
Zusammen mit einem englischen Freund und einem Produzenten haben wir nun
meine erste LP „ Falling for the notion“ mit sechs Songs veröffentlicht. Die LP wird nun an Labels versandt und mal sehen, was daraus wird.

Du kannst die Songs auf YouTube
oder Spotify anhören.
Ich habe alle Songs selber geschrieben, samt der Lyrics.

Jenny:
Da ich schon einen Song kannte, wusste ich genau wie großartig der Sound und seine Stimme sind! Deshalb wollte ich noch etwas mehr zum Album erfahren und fragte:
Worüber handeln denn die Texte?

Eddie:
Die Texte sind ein bisschen von allem. Weißt Du, die richtigen Worte finden dich wenn du nicht daran denkst.

Jenny:
Die richtigen Worte finden dich- den Satz finde ich großartig!
Wie lange schreibst Du an einem Song?

Eddie:
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal ein paar Stunden, manchmal liegen Anfänge über einen längeren Zeitpunkt brach bis ich wieder daran arbeite.


Jenny:

Bevor ich Eddy die nächste Frage stelle empfehle ich allen in das Album reinzuhören- ihr bekommt Gänsehaut!
Und wie geht es jetzt weiter?

Eddie:
Ich werde bald nach London gehen.-… Die besten Orte für einen Musiker sind London, New York, Californian und Nashville-…
und mit einem bekannten Fotografen eine Wohnung teilen.
Ich werde das machen was mir Freude bereitet:
Musik machen, Gitarre spielen!
Momentan spiele ich 9 Stunden am Tag- es sind eben meine Gitarre und ich!
Ich übe nicht, ich praktiziere nur, nichts interessiert mich mehr als Musik.

Jenny:
Einen Menschen kennen zu lernen, der die Musik so sehr liebt und lebt ist für mich faszinierend! Im Alter von 20 Jahren seinen Geschmack so gut zu kennen und bescheiden zu sein ist einzigartig.
Gerne möchte ich wissen, wer seine Lieblingsband ist.

Eddie:
Led Zeppelin und Rolling Stones.

Rolling Stones- meine Rockgötter, wir lachen.
Ich vermute, dass seine Leidenschaft durch das Interview sowie die eingefügten Hörproben zeigen, was für einen großen Künstler ich interviewen durfte.
An dieser Stelle wünsche Eddy das Allerbeste und hoffe sehr, dass viele Menschen seine Musik so lieben werden, wie ich.

Eddy steht auf, reicht mir die Hand, bedankt sich und sagt:
Its only Rock ´n`Roll!

 

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28 Kommentare zu “Starke Menschen sind bescheiden – Interview mit Eddie Bennett

  1. Tolles Interview. Interessante Persönlichkeiten machen die Welt so bunt. Es muss nicht immer alles nach Plan laufen…the Space between 😊
    Schön, bei dir immer wieder auch darüber lesen zu dürfen!!

  2. Deine Reihe über die starken Menschen finde ich etwas ganz Tolles – es ist immer wieder spannend, welche besonderen Menschen du uns vorstellst, wenn ich da unter anderem an die Beiträge über deinen Neffen Joshua oder über Sandra denke. Es ist bewundernswert, wie Eddie in diesem Alter bereits so konkrete Vorstellungen, ein genaues Ziel vor Augen zu haben und konsequent, zielstrebig und mit voller Begeisterung an seinem Traum zu arbeiten. Dabei aber auch geerdet zu bleiben, durch Erfolgen nicht abgehoben zu werden ist eine besondere Kunst. Schön, wenn er sich diese Art auch weiterhin behalten kann. Danke fürs Vorstellen.
    Hab einen schönen Tag und alles Liebe

    1. Liebe Gesa,
      danke für deinen super Kommentar :). Als mir die Kategorie in den Sinn kam, habe ich bemerkt, wie viele besondere Menschen es eigentlich gibt und das es sich lohnt diese vorzustellen :).
      Ja der Eddie ist ein ganz toller Mensch und ich hoffe, das bewahrt er sich!
      Liebe Grüße an dich!

  3. „Die richtigen Worte finden dich“… mag ich auch sehr!!!
    Mit 20 genau zu wissen, was man möchte, ist toll. Dinge zu tun, die man mag und sich Schritt für Schritt seinen Träumen zu nähern. In diesem Alter, Hut ab!!!
    Hab lieben Dank,

    Sei lieb gegrüßt,
    Doreen von http://www.hedmee.de

  4. Oh ich liebe, liebe, liebe deine Interview Reihe!
    Und nach einem kurzen reinhören muss ich sagen, dass Eddies Musik genau meinen Geschmack trifft. Fallin‘ for the Notion klingt sich richtig gut an! Erinnert mich auch an irgendwen… ich dachte erst, an die frühen Bon Jovi Songs, aber ich glaube, dass ist es nicht… mhm. Vielleicht komme ich ja noch drauf 🙂
    Jedenfalls gefällt es mir sehr und ich drücke dem Guten echt die Daumen, dass er es (noch) weit(er) bringen wird!
    Grüße
    Nessa
    https://ichdupasst.blog

    1. Liebe Nessa,
      ich denke seine Stimme und der Sound sind einzigartig. Vor allem für das Alter hat er eine so weiche und warme Stimme die mir Gänsehaut bereitet.
      Danke für das Daumen drücken, denn auch ich wünsche ihm das Allerbeste :).
      Liebe Grüße!

  5. Ohja das kann ich und ich freue mich drauf <3 Die letzten 2 Sonntage waren so entspannt in der Wanne und ich bin jetzt wieder voll im Flair *tihi*.

    Ein interessanter Post, tolles Interview. Ich mag Engländer und ihre Art, oftmals wirken sie zwar etwas abgehoben, sind aber doch sehr freundlich und locker =)
    Liebe Grüße

      1. Ich sag ja auch nur, sie wirken oft so, am Ende sind sie doch sehr nett =) Wenn er natürlich auch gar nicht erst so wirkt, is er wohl auch nochmal anders 😀

        Dankeschön =) Freut mich, dass dir die Sportklamotten auch gefallen.
        Danke wünsche dir auch ein schönes Wochenende

  6. Wieder ein so schöner und spannender Artikel von dir! Danke, dass du deine starken Menschen mit uns teilst! Eddies Musik spricht mich sehr an, hat mich sofort bewegt und berührt (und das schafft nicht jeder!).
    Liebe Grüße
    Maren

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