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Starke Menschen – Michael Bracht unter Tage

Michael- ein authentischer Mann mit Humor- ein alter Kollege und von Beruf Sozialpädagoge. Wir haben einige Zeit zusammen gearbeitet und ich schätze ihn sehr, nicht nur als Kollegen, sondern auch als Gesprächspartner. Vor allem seine Ehrlichkeit und die klaren deutlichen Worte zu jedem Thema sind etwas, was ich an ihm mag.

Er liebt sein Motorrad, Gruben, Höhlen und somit das Abenteuer.

Genau diese Abendteuer sind es, die mich an ihm faszinieren. Des Öfteren lauschte ich seinen, für mich unvorstellbaren Geschichten und sehe mir gerne seine Bilder auf Instagram. Auf denen zeigt er faszinierende Aufnahmen die unter Tage entstehen.
Michael ist ein Mensch mit einem „starken“, nicht alltäglichen Hobby. Er steigt tief hinab, in alte Gruben und Höhlen…

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In einem exklusiven Interview erfahrt ihr mehr über ihn und seine Passion und werdet sicherlich verstehen, warum er in die Kategorie meiner persönlichen „starken Menschen“ fällt.

Michael hat ein ganz besonders Hobby

Jenny:
Danke Michael, dass du dir die Zeit nimmst und mir Rede und Antwort stehst. Wie du weißt bin ich fasziniert von deinem doch sehr ungewöhnlichen Hobby. Gibt es dafür eine direkte Bezeichnung?

Michael:
Die Höhlenforschung als solches, also die Erforschung von Naturhöhlen wird als Speläologie bezeichnet. Das befahren und erkunden von alten Bergwerken wird gerne als Montanarchäologie betitelt.

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Jenny:
Du steigst in Gruben und Höhlen hinab. Wann war dein erster Abstieg und wie hast du dich das erste Mal unter Tage gefühlt?

Michael:
Das erste Mal nahm mich mein Vater im Kleinkindalter mit in eine Höhle. Da war ich so ca. 4 oder 5 Jahre alt. Seit dem hat mich die Faszination nicht mehr losgelassen. Was ich damals dabei gefühlt habe, kann ich nicht mehr so genau sagen. Ich nehme aber an, dass ich viel Spaß hatte und mich wohl gefühlt habe.

Jenny:
Als du mir das erste Mal erzähltest, dass du unter die Erde tauchst, konnte ich mir sehr wenig darunter vorstellen. Ich denke, meinen Lesern geht es ähnlich. Was genau macht man in diesen Höhlen oder Gruben?

Michael:
Das ist sehr unterschiedlich. In Naturhöhlen geht es oft darum diese zu erkunden und zu vermessen. Nicht selten werden auch Grabungen in Höhlen durchgeführt um neue Bereich befahrbar zu machen und so Neuland zu entdecken. Natürlich geht es auch um Spaß und einen sportlichen Anreiz. Höhlen sind oft mehre hundert manchmal auch bis zu 2000 Meter tief. Dieser Höhenunterschied will überwunden werden.

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Jenny:
Du sagtest, dass die alten Bergwerke sehr faszinierend für dich sind. Was ist es genau, was dich daran fasziniert? Ich kann mir das schwer vorstellen, da ich selber noch nie in ein Bergwerk eingefahren bin.

Michael:
Im Gegensatz zu Höhlen sind Bergwerke von Menschenhand geschaffen. Mich fasziniert nicht zuletzt der Arbeitsplatz unter der Erde und dessen Wandel in den letzten Jahrhunderten. Abbauverfahren haben sich stark geändert und dadurch auch die Stolleprofile und Werkzeuge. Oft findet man noch Einbauten und Inventar vor, welches Rückschlüsse erlaubt wie die Menschen früher ihren Unterhalt verdienen mussten. In manchen Bergbauregionen gibt es Systeme in dem man untertägig durch die verschiedenen Abbauepochen läuft. Dies ist wie eine kleine Zeitreise.

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Jenny:
„Glück auf“ – an das Bergsteiger Lied kann ich mich gut erinnern- was verbindest du damit? Sieht man ein Teil des Lebens der Bergmänner? Was findet man in solchen Gruben vor?

Michael:
Wir verbinden damit vor allem den Gruß der Bergleute damit. Höhlenforscher sagen übrigens Glück Tief!
Wie schon erwähnt finden wir des Öfteren Werkzeuge, Fahrzeuge und Einbauten vor. Manche Arbeitsplätze sehen aus wie gestern verlassen, nur das vlt. Schon 40 Jahre niemand mehr dort war. Manche Orte sind wie kleine Zeitkapseln.

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Jenny:
Ich vermute, ihr habt jede Menge Utensilien bei euren Abstiegen dabei? Ich sage „euch“- du steigst doch sicherlich nicht alleine unter Tage?

Michael:
Ja das ist richtig. Wir sind meistens zu dritt oder viert unterwegs. Je nach Aufwand haben wir auf jeden Fall Fotoequipment dabei und Gasmesstechnik. Untertage kommt es des Öfteren zu einem Abfall der Sauerstoffkonzentration und einem ansteigen des CO² Vorkommens. Dies kann man weder riechen noch sehen und würde unter Umständen tödlich enden. Ein Helm mit zuverlässigem Geleucht ist ebenso essentiell. Mindesten ein Backupgeleucht ist dabei und wenn nötig Ausrüstung zum Ab- und Aufstieg am Seil.

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Jenny:
Hattest du schon einmal ein gefährliches Erlebnis? Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder „Besuch“ einer Grube ungefährlich ist? Habe ich Recht?

Michael:
Die größten Gefahren in einer alten Grube ist das Vorkommen von matten oder schlagenden Wettern. Also Umgebungsluftkonzentrationen die zu wenig Sauerstoff enthalten oder entzündlich sind. Steinschlag ist auch ein Thema das vorkommen kann, ist uns aber bis jetzt noch nicht passiert. Die gefährlichste Situation hatten wir bei einem Aufstieg am Seil, dort hatte ein Kumpel vergessen seinen Karabiner zu verschließen. Es ist aber alles nochmal gut gegangen.

Jenny:
Wie tief unter der Erde bist du schon gewesen?

Michael:
Das tiefste müssten so um die 1400 Meter bei der Befahrung einer aktiven Steinkohlegrube im Ruhrgebiet gewesen sein. Aus eigener Körperkraft am Seil liegt die von mir größte befahrene Teufe bei ca 470 Metern.

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Jenny:
Wie macht man solche Eingänge in Gruben und Höhlen ausfindig? Ich nehme mal an, dass man die nicht im Routenplaner auf Google Maps findet?

Michael:
Das ist in der Tat ziemlich unterschiedlich. Irgendwann kennt man die Regionen in denen Bergbau betrieben wurde. Dann kann man sich einen guten Überblick anhand von Topographischen Karten verschaffen. Auf diesen sind oftmals Bergbaurelikte und Tagesöffnungen eingezeichnet. Google Earth ist auch oft Hilfreich. Weiterführende Informationen findet man in der Literatur und natürlich in den Bergbauarchiven.
Bei Höhlen ist das ganze wesentlich einfacher, da diese alle in einem Kataster verzeichnet sind.

Jenny:
Gibt es besondere Gebiete in die du am Liebsten fährst?

Michael: In der letzten Zeit bin ich viel in den Pariser Katakomben und dem Bergbaugebiet im Grenzgebiet Luxembourg / Frankreich.

Jenny:
Ist es eigentlich erlaubt die Stollen auf eigene Faust zu besuchen?

Michael:
Schwieriges Thema. Es gilt folgende Regel. Kein Schild, kein Zaun, kein Schloss – Glück Auf! 

Jenny:
Erst neulich habe ich dem Film “Katakomben” gesehen. Nicht das ich an Geister glaube, aber die Vorstellung von menschlichen Knochen umgeben zu sein, verpasst mir doch eine Gänsehaut. Bist du schon mal in Paris unter Tage gewesen und hast menschliche Gebeine um dich gehabt? Was hast du dabei gefühlt?

Michael:
In den Katakomben war ich schon ziemlich oft. Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern als ich die Knochen zu Gesicht bekam. Die ersten Minuten fühlte es sich etwas mulmig an, dieses Gefühl verflog aber schnell. Teilweise krabbelt man dort auch mit allen vieren über die Knochen.

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Jenny:
Trifft man unter Tage auch plötzlich auf Menschen mit dem gleichen Hobby? Oder jagen Andere einem ganz anderen Ziel unter der Erde nach?

Michael:
Gerade in so Anlagen wie den Katakomben lässt sich das gar nicht vermeiden. Dort finden vor allem an den Wochenenden immer große Partys statt. Diese lassen wir aber links liegen, da wir dort tatsächlich aus anderen Gründen sind. Ansonsten ist man in anderen Systemen meistens für sich allein.

Jenny:
Wie oft gehst du diesem Hobby nach?

Michael:
An drei von vier Wochenenden bin ich unterwegs. Da kommen schon ganz schön viele Kilometer zusammen. Aber es lohnt sich.

Jenny:
Ich möchte mich natürlich auch bedanken, dass du meinen Lesern einige Fotos zur Verfügung gestellt hast. Die sind sehr faszinierend! Ist es nicht schwierig, bei den „Lichtverhältnissen“ solche Bilder zu schießen?

Michael:
Das Fotografieren Untertage funktioniert komplett anders als bei Tageslicht. Es gibt eben nur das Licht welches man selber mitgebracht hat. Entweder arbeiten wir mit mehreren Blitzen die per Funkt oder durch Blitzsklaven ausgelöst werden. Eine andere Möglichkeit ist es eine lange Belichtungszeit zu wählen und das Motiv mit einer hellen Lampe „auszumalen“.

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Jenny:
Ich habe zu Anfang von deinem Instagram Account Altbergbau gesprochen. Hast du vor dieses weiterhin mit Bildern von „unter der Erde“ zu füllen?

Michael:
Na klar. Ich lade dort immer mal wieder was hoch, nicht nur aus dem Untertagebereich aber der Schwerpunkt liegt schon in dem Thema.

Jenny:
Falls jetzt jemand von deinem Hobby ganz angetan ist und das auch einmal ausprobieren möchte, welche Tipps gibst du? Ich nehme mal an, man sollte nicht unvorbereitet losziehen. Gibt es Facebookgruppen oder andere Kontaktmöglichkeiten sich erfahrenen Untertagegängern anzuschließen?

Michael:
Als wichtige Warnung zitiere ich mal einen Beitrag von meiner Homepage:
„Touren Unter Tage bergen immer ein gewisses Risiko. Zu den sichtbaren Gefahren kommen noch Risiken, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. z. B. schlechte Umgebungsluft mit zu wenig Sauerstoff oder zu hohem CO² Gehalt. Manche Höhlen/Bergwerke sind stark wasserführend und können bei plötzlich einsetzenden Regen innerhalb weniger Minuten volllaufen und so zur Falle werden. Jedem, der sich für Höhlen- oder Bergwerksbefahrungen interessiert, sei ans Herz gelegt sich an erfahrene Untertagegänger zu wenden, um nicht den Berggeist anheimzufallen.“

Gleichgesinnte findet man in der Tat bei Facebook in diversen Gruppen. Es gibt Internetforen aber vor allem gibt es auch ansässige Höhlenvereine an die man sich wenden kann. Gerade für die fortgeschrittenen Befahrungstechniken wie das Abseilen und den Wiederaufstieg am Seil gibt es Kurse, in denen man das entsprechende Know How vermittelt bekommt.

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Kontakt gerne unter:
www.tagesbruch.de
https://www.instagram.com/altbergbau
https://www.facebook.com/jean.champs.3

Jenny:
Michael, ich sage ganz herzlichen Dank für deine Zeit und den Einblick in dein außergewöhnliches Hobby das dich für mich zu einem „starken Menschen“ macht.

Seid ihr schon einmal unter Tage gewesen? Würde euch das faszinieren?

 

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26 thoughts on “Starke Menschen – Michael Bracht unter Tage

  1. Liebe Jenny,
    das ist ja mega interessant.
    Ich finde es faszinierend unter Tage.
    Wir haben in der Eifel auch einige Stollen die ich immer gerne mal besichtige, geführt natürlich.
    Dein Interview und die Fotos sind super!
    Herzliche Grüße,
    Annette

    1. Liebe Annette,
      ich war bisher, außer in einer Tropfsteinhöhle, noch nicht unter Tage. Aber das Erlebnis war für mich als Kind schon heftig. Ich fand es alles sehr faszinierend, aber auch beängstigend.
      Vielleicht sollte ich es mal wieder wagen hinabzufahren.
      Liebe Grüße!

  2. Huhu Jenny,

    sehr interessant, aber für mich wäre das nichts, ich bekomme bei sowas leicht “Beklemmungen”. 🙂

    Herzliche Wochenstarter-Grüße – Tati

  3. Ein super Beitrag 🙂 das erinnert mich an die Ausflüge in der Arbeit, arbeite im Wasserwerk und da dürfen wir manchmal Stollen begehen usw :)Tolle Fotos. lg babsi

  4. Huhu 🙂
    Ganz spannendes Thema, weil mich das persönlich auch sehr reizt! Erfahrungen konnte ich selbst auch schon “kleine” machen.Wie z.B in den Mergelhöhlen bei Maastrich. Die kennt Michael sicherlich! Dabei hatte ich eher schiss, dass wir den Ausgang nicht wiederfinden. In der Tat sind dort wohl schon Menschen gestorben, weil sie den Ausgang nicht mehr fanden. Aber über die CO2-Konzentration habe ich mir leider keine Gedanken gemacht 🙁
    In Afrika hatte ich auch mal eine Führung durch eine Höhle. Dort wurde es zwischenzeitlich auch sehr eng, was mir dann doch schon Sorgen bereitete. Was ist, wenn du jetzt stecken bleibst? *panik*
    Und obwohl ich klettern kann (mit Seiltechnik), wusste ich aus dem Grund eben nicht, ob das Abseilen in Höhlen etwas für mich wäre!
    Wobei das sicherlich ein richtig geiles Gefühl sein muss!
    Hmmm….reizt einen schön!
    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und beste Grüße (unbekannterweise) an Michael 🙂
    Sanne K.

    1. Hey Sanne,
      da hast du ja schon was erlebt- und klettern mit Seiltechnik- wow! Ich bin ein mega Schisshase wenn es zu solchen Aktionen kommt und war mit der Sache mit dem CO2 auch gar nicht bewusst.
      Liebe Grüße!

  5. Ich finde deine neue Kategorie super spannend und lese mir die Interviews sehr gerne durch.
    Michael hat ja wirklich ein aufregendes Hobby, Hut ab.
    Und echt Hammer Bilder die er uns hier zeigt.

    Liebe Grüße,
    Swantje

  6. Hallo meine Liebe,

    das ist ein super interessanter Beitrag. Ich war früher mit meinen Eltern gerne auf Höhlenführungen und finde das ganze Thema hochinteressant. Das ist echt der Hammer, was unter der Erde teilweise für Bodenschätze versteckt lagern und wie sich diese Systeme verzweigen;) Ich kann seine Leidenschaft dafür total nachvollziehen:).

    Ganz liebe Grüße
    Isa
    http://www.label-love.eu

  7. Liebe Jenny,
    ein toller Post! 🙂
    Ich war noch nie in so einer Höhle… obwohl, vor sehr langer Zeit mal in einer Tropfsteinhöhle…
    Ich mag Leute, die offen und ehrlich zu jedem Thema ihre Meinung sagen auch total.
    Mir sind Leute lieber, die zwar nicht meiner Meinung sind, dafür aber eine eigene Meinung haben, als solche, die keine Meinung haben 😀
    Viele Grüße
    Jasmin

    1. Hey Jasmin,
      ja Menschen die offen und ehrlich sind gibt es mittlerweile weniger, umso schöner, dass es noch einige Spezies gibt :).
      Liebe Grüße!

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