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Briefe vs Emails – Sprachmord Teil IV

Schreiben wir zu wenig?

Wie so oft im Leben werden wir inspiriert, ob durch Menschen, durch die Natur, durch Ereignisse oder Medien.
Ich wurde durch einen Beitrag von Sonja zum Thema Briefe schreiben inspiriert und schon länger denke ich darüber nach hierzu meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Immerhin passt das Thema sehr gut zu meinen Beiträgen über den Sprachmord.

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(Falls ihr euch fragt, welche Jeans ich auf den Bildern trage dann gebe ich euch hier einen Tipp: Die bequeme und gut sitzende Bootcutjeans habe ich bei Jeans-Meile erstanden!)

Verkümmert unser Wortschatz?

Ich beobachte mit Schrecken, wie sich unsere Sprache verändert, ich möchte schon fast sagen, verschlechtert. Immer mehr Abkürzen und Redewendungen kommen zum Einsatz. Ganze Sätze sind rar geworden. Die Möglichkeiten durch verschiedene Apps zu kommunizieren sind unerschöpflich. Es muss schnell gehen, in kurzen Phrasen möchte man sich erklären, Hauptsache dabei bleibt: keine Zeit verschwenden. Emoticons helfen uns dabei unsere Gefühle zu verdeutlichen und die eigentlichen wunderbaren Begriffe unseres Wortschatzes kommen kaum noch zum Einsatz.
Mal Hand aufs Herz: Wie lange ist es her, dass wir einen Brief mit der Hand geschrieben haben? Ich schreibe Briefe um Erlebnisse und Gedanken zu verschicken, mich auszutauschen oder Geständnisse zu übermitteln, um meine Gefühle und Gedanken so genau wie möglich zu erklären. In Briefen ist es nicht möglich Emoticons oder Sprachnachrichten einzufügen. Hier ist unser Wortschatz gefragt mit dem wir uns ausdrücken müssen.

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Briefe die ich schrieb und erhielt

In meinen Erinnerungen sehe ich mich noch ganz klar, wie ich mit meinem Füller seitenlange Briefe schrieb. Diese Briefe verschickte ich an Brieffreunde aus der ganzen Welt. Ich besaß damals Briefpapier in den verschiedensten Farben, die ich je nach Anlass nutze. Die beschriebenen Seiten bemalte ich zum Teil, klebte kleine Aufkleber oder Fotos auf. Auch die Briefumschläge erhielten immer einen ganz besonderen Touch. Diese wurden bemalt oder ebenfalls beklebt und bestanden zum Teil aus ausgeschnittenen Plastiktüten oder buntem selbst zugeschnittenem Papier. Noch heute frage ich mich, wie der Postbote darauf noch die Adresse erkennen konnte.

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Natürlich erhielt auch ich Briefe von meinen Brieffreunden zurück. Damals, zu den Zeiten in denen es kein Internet gab, wartete man zum Teil Wochen auf den Antwortbrief. Jeden Tag kam ich von der Schule nach Hause und der erste Weg war der zum Briefkasten, in der Hoffnung, dass ich einen Brief darin fand und die Aufregung war groß, wenn ich einen erhielt. Vorsichtig wurde dieser geöffnet, damit man das innen liegende Schriftstück nicht zerstörte. Manchmal waren Fotos enthalten, über die man sich am Meisten freute, denn schließlich wollte man wissen wie der Brieffreund aussah. Das war eine sehr aufregende Zeit.

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Liebesbriefe sind romantisch!

Neben den Brieffreundschaften, die ich zum Teil über Jahre hinweg pflegte, schrieb man zu meiner Jugendzeit noch Liebesbriefe die mit Herzchen oder Lippenstiftküssen bedeckt wurden. Emotionen wurden zum Teil in Gedichten niedergeschrieben. Ellenlange Seiten mit Gedanken und Wünschen gefüllt. Oftmals verlor man die ein oder andere Träne vor Rührung über die Worte die man las oder selber schrieb. Manchmal war die Tinte an einigen Stellen verschwommen und man fragte sich, ob es die Träne war, die der Schreiber verlor.
Romantik pur? Definitiv.

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Können wir noch Briefe schreiben?

Heute frage ich mich ernsthaft, ob wir noch in der Lage sind Briefe zu schreiben. Briefe die voller Emotionen und Liebe stecken. Briefe in denen Geschichten und Gedanken niedergeschrieben werden. Briefe in denen wir Dankbarkeit ausdrücken.
Oder vermitteln wir heute all unseren Gedankenwirrwarr in Form vom Smilys, Abkürzungen oder Snapchatbildern?
Schreiben hilft Gedanken „auszusprechen“, Frust los zu werden, oder Emotionen freien Lauf zu lassen. Das Füllen von Tagebüchern hilft den Alltag Revue passieren zu lassen.
Und die Briefe? Briefe bringen Freude, Briefe sind etwas ganz persönliches, Briefe sind intim, Briefe riechen, Briefe halte ich in meiner Hand, Briefe verstecke ich unter meinem Kopfkissen, Briefe sammle ich in einem Schuhkarton um die Erinnerungen zu behalten.

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Briefe vs digitale Nachrichten

Digitale Nachrichten sind schwarz weiß, sind auf meinem Handy oder Laptop, riechen nicht, beinhalten keine Bilder die ich in meine Geldbörse stecke, sammle ich nicht in einem Schuhkarton. Digitale Nachrichten lösche ich irgendwann.
Ich glaube, dass ein handgeschriebener Liebesbrief, eine handgeschriebene Karte, ein handgeschriebener Gruß persönlicher ist und viel mehr Freude bereitet.

Schreibt ihr noch Briefe?

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56 Kommentare zu “Briefe vs Emails – Sprachmord Teil IV

  1. Als Kind hatte ich auch viele Brieffreunde. Wir hatten uns lange Briefe geschrieben, mit Stickern dekoriert und untereinander Poster von Bands etc. ausgetauscht. was war das für eine Freude, als man wie du schreibst aus der Schule kam und ein Brief auf einen wartete 🙂 Ach..

    1. Liebe Vesna, ich finde es super, dass auch du diese Momente noch kennst :). Es ist doch etwas ganz anderes einen echten Brief in der Hand zu halten, der sogar toll beklebt ist!
      Liebe Grüße!

  2. Hallo Jenny
    Ich schreibe sehr gerne und viel mit der Hand. Angefangen vom Einkaufszettel, Blognotizen bishin zu Gedichten und Postkarten. Früher hatte man fremde Brieffreunde und das wurde vom Internet verdrängt. Gerade an der Handschrift kann man viel vom Gegenüber rauslesen.
    Liebe Grüße

    1. Liebe Tanja,
      ich finde es toll, dass du noch viel schreibst.
      Einkaufszettel und diverse Notizen schreibe ich auch per Hand, auch wenn es dafür schon Apps gibt- auch den Kalender führe ich noch altmodisch :P.
      Liebe Grüße!

  3. Ja, und ich bin gerade wieder damit angefangen. Zum Beispiel schreibe ich wieder „Danke“-Karten – habe mir 500 drucken lassen und verschicke die zu allen Möglichen Anlässen mit einer handgeschriebenen Rückseite. Kommt prima an und macht mir Spaß 🙂

    1. Hallo Thorsten,
      das ist eine sehr gute Idee. Ich habe diese Karte auf dem Bild mit deinem Gewürz gesehen :).
      Sicherlich freut sich der Empfänger riesig, so eine Karte zu erhalten, zumal diese noch handgeschrieben ist.
      Liebe Grüße!

  4. Huhu 🙂
    Jaaaa,ich habe sehr viel Briefe geschieben. Sogar die Briefumschläge habe ich selbst gebastelt,individuell passend für den Empfänger!
    Dementsprechend habe ich auch viele bekommen und mich über jeden Einzelnen gefreut und aufbewahrt.
    Und mit dem PC,später mit dem Handy hatte das alles leider ein Ende.
    Seitdem habe ich auch keinen handgeschriebenen Brief bekommen.
    Und ich würde sogar behaupten,dass die Generation von heute nicht mehr gross in der Lage ist,einen 10seitigen Brief zu schreiben. Nicht nur von den Worten her,sondern auch von der Ausdauer.
    Jetzt habe ich gerade voll Lust meinen alten Füller raus zukramen:)
    Liebste Grüße
    Sanne K.

    1. Liebe Sanne,
      dann bist du auch jemand von der doch „älteren“ Generation und diese Erfahrung kann uns ja keiner nehmen!
      Ich habe auch viele Briefe aufbewahrt!
      Leider bin ich der gleichen Meinung: die Ausdauer für lange Briefe wird wohl heute eher nicht mehr vorhanden sein :(.
      Liebe Grüße!

  5. Liebe Jenny,
    mein Mann und ich schreiben uns öfter einmal Briefe… und zwar immer, wenn wir uns gestritten haben. Und das kommt schon hin und wieder einmal vor 😀 Am nächsten Morgen gibt es dann mindestens zwei Seiten Brief an den anderen, auf denen man sich entschuldigt, seine Bedenken und seinen Kummer ausdrückt und dem anderen seine tiefen Liebe gesteht 🙂 Na ja, ich bin oft zu stolz den ersten Schritt zu machen, deshalb bekomme ich eigentlich immer als erste den Brief und antworte meinem Mann dann darauf 😉 Hihi.
    Liebe Grüße
    Jasmin

    1. Liebe Jasmin,
      das ist doch eine fabelhafte Idee auch in Beziehungen etwas gerade zu rücken! Daran können sich viele ein Beispiel nehmen!
      Liebe Grüße!

    1. Hey, ja die Portokosten sind wirklich enorm gestiegen und Email ist eben einfacher- kein Gang zur Post, keinen Briefumschlag beschriften…
      so gehen wir eben mit der Zeit.
      Liebe Grüße!

    1. Hey, yes its definalty faster, even sometimes some letters never arrived. Today if an email doesnt arrive, you still got it saved in your account.
      But- getting a real letter from the other part of the world its still something really wonderful.
      Hugs!

  6. Früher hatte ich sehr viele Brieffreunde, weltweit, heute eher nur noch ein paar, aber Briefe schreibe ich immer noch, allerdings nicht mehr so regelmäßig wie früher.
    Viele Grüße

  7. Guten Morgen Jenny,
    Ich habe als Kind und auch als Jugendliche noch sehr viele Briefe geschrieben, finde es schade, das dies heutzutage kaum noch gemacht wird. Ein Schulfreund meines Sohnes zieht nun bald um, worüber Damian echt traurig war. Als ich ihm sagte ,das sie sich ja schreiben könnten usw. hat er mich nur ganz entgeistert angeschaut und meinte „Mama, du erlaubst mir doch kein Handy“ Das man Briefe auch per Hand senden kann, kam meinem Sohn anscheinend gar nicht in den Sinn.

    Ich selbst schreibe heutzutage allerdings auch weniger, meist sind es nur noch Karten zur Einladung oder als Danke.

    Lieben Gruß
    Petra

    1. Liebe Petra,
      die Geschichte deines Sohnes zeigt, dass Briefe schreiben wohl absolut überholt ist :(. Ich hatte als Kind die Brieffreunde in der Schule sogar zugeteilt bekommen :P- zumindest die nach Russland, da es zu DDR Zeiten unsere Freunde waren und alles daran gesetzt wurde, den Kontakt zu unserem Freundschaftsland zu pflegen :).
      Immerhin schreibst du noch Karten und Einladungen per Hand, das finde ich super!
      Liebe Grüße!

  8. Erstmal, die Fotos zum Beitrag sind traumhaft, ganz toll gelungen!
    Ich muss zugeben, das ich sehr wenig handschriftlich verfasse. Ab und zu schreibe ich nur zur Übung etwas, um meine Schrift wieder zu verbessern.

    Liebe Grüße 🙂

    1. Hey, lieben Dank für das Kompliment- das gebe ich gerne an den Fotografen weiter :).
      Die Schrift verbessern- auch ein guter Gedanken- ich schmiere sehr, wenn es schnell gehen muss :P.
      Liebe Grüße!

  9. Ich kann mich noch gut an seitenlange Briefe erinnern. Irgendwann hat das nachgelassen. Aber Karten zu Weihnachten oder zum Geburtstag schreibe ich immer noch gern mit der Hand und bastel auch die Karten gern selbst.

    Liebe Grüße Sabine

  10. Ja, da hast du ziemlich recht! Heutzutage ist alles einfach zu digitalisiert! Ich weigere mich z.B. auch, alles im Kalender meines Handys festzuhalten, bin da noch ganz klassisch mit einem Taschenkalender 🙂 Übrigens, ich hatte früher einige Brieffreunde, wirklich schade, dass das an Wert verloren hat 🙁 Schönen Donnerstag dir! LG 🙂

    http://www.confashiontime.com

    1. Hey,
      stimmt, den Kalender- ich habe noch einen klassischen Tischkalender, den ich immer nutze.
      Jedoch muss ich mich an den elektronischen gewöhnen um auf der Arbeit mitzuhalten :(.
      Liebe Grüße!

  11. Ich schreibe auch heute gerne Briefe mit der Hand, male den Umschlag bunt, verwende kleine farbenfrohe Aufkleber oder Zeitungsschnippsel, um dem Brief seine ganz persönliche Note, zu geben. Briefe mit der Hand geschrieben sind so viel persönlicher. Ich freue mich immer wie ein kleines Mädchen, wenn ich mal einen handgeschrieben Brief per Post erhalte.

    Habe Deinen Blog gerade erst über Instagram entdeckt…
    …er gefällt mir!

    Liebe Grüße
    aus Berlin
    Manu

    1. Liebe Manu,
      danke für deinen Kommentar!
      Du bist also noch eine der erhaltenen Briefschreiberinnen? Das finde ich wirklich klasse! Wir sollten uns alle ein Beispiel an dir nehmen :)!
      Liebe Grüße!

  12. Ich habe früher eigentlich sehr viele Briefe von Hand geschrieben, in Zeiten der Digitalisierung aber eigentlich fast fast keine mehr. Lediglich die Weihnachtspost schreibe ich ausschließlich von Hand. Irgendwie gehört das für mich dazu und ist um einiges persönlicher als eine E-Card.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebe Diana,
      ich muss gestehen, dass es mir genauso geht. Karten ist ein Muss per Hand, aber Briefe gehen wirklich fast nur noch per Email raus, leider.
      Liebe Grüße!

  13. Als Teenie hab ich unzählig viele Briefe geschrieben, ich hatte Brieffreundinnen in der ganzen Welt, in Nepal und Tasmanien z. B…. da hab ich mir noch Mühe gemacht, englisch zu schreiben.
    Jetzt ist die Zeit irgendwie vorbei für mich. Ich vermute, sie wird nicht mehr wiederkommen.
    LG!

    1. Hey, das kenne ich gut. Ich habe damals auch auf Russisch geschrieben und irgendwann kam Englisch dazu.
      Ich denke auch, die Zeit ist leider vorbei :(.
      Liebe Grüße!

  14. Ich schreibe immer noch sehr gerne Briefe. Ich finde es einfach viel schöner und persönlicher als Nachrichten per Handy oder E-Mails zu verschicken. Selbst mein Freund bekommt des Öfteren mal noch ein kleines Liebesbriefchen von mir 🙂

    Liebe Grüße,
    Jana von bezauberndenana.de

  15. Nein. Ich schreibe keine Briefe mehr, auch wenn ich die Brieffreundzeit noch sehr gut kenne. Allerdings verwende ich auch selten Abkürzungen und Emoticons, ich formuliere meine Mails wie einen Brief. Nur ohne spezielles Papier und Duft, wobei ich dafür sowieso nie der Typ war.
    Ich schätze, dass ich schnell Antwort bekomme und auch meine Gefühle per Mail oder SMS sofort übermitteln kann, egal wo auf der Welt ich gerade bin. Sowohl mein Mann als auch ich sind immer viel gereist, und über tägliche eMails sind wir in emotionalem Kontakt geblieben, gleich ob ich i Tibet und er arbeiten war oder er durch die Wüste von Marokko gefahren ist und ich im Büro. Das Warten hat man dennoch oft, schliesslich ist Intenetzugang nicht überall verbreitet. Und aufgehoben habe ich sie alle, wenn auch nur digital.

    1. Hey, danke für deinen tollen Beitrag. Ich finde es wirklich toll, dass Du und Dein Mann so gut den Kontakt über Email haltet und auch emotional alles gut ausdrücken könnt.
      Kontakte zu halten finde ich sehr wichtig!
      Liebe Grüße!

  16. Während unserer Fernbeziehung haben mein Freund und ich uns auch Briefe geschrieben, das war schon romantisch.
    Aber doch würde ich unsere Chats nie missen wollen – die lese ich jetzt noch durch und freue mich darüber!

    -Kati

  17. Hallo Jenny,

    als Kind hatte ich in aller Welt und auch Umgebung viele Brieffreundschaften. Da verging kaum ein Tag, an dem man sich nicht geschrieben hat.

    Leider hat das nachgelassen.

    Jetzt gibt es bei mir nur noch zu Weihnachten oder zu besonderen Anlässen Briefpost. SMS oder Email sind da einfacher, aber auch unpersönlicher.

    Liebe Grüße
    Sabine

  18. Ich finde deinen Post sehr schön und mag deine Gedanken zu dem Thema. Allerdings muss ich gestehen, dass ich selber kaum noch etwas mit der Hand schreibe. Ich habe mich im Laufe der Zeit schon von vielen Dingen getrennt, die ich früher unter dem Aspekt „Erinnerung“ aufbewahrt hatte. Was mir heutzutage oft auffällt: Viele versuchen jedes Erlebnis (meist digital) zu dokumentieren, damit man es sich später noch mal anschauen kann. Dabei geht aber manchmal das Erlebnis selber verloren. Ich versuche deshalb inzwischen, die Augenblicke selber intensiver zu geniessen und die Erinnerungen in mir selber aufzubewahren.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Anja

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