Stress scheint die neue Normalität zu sein. Doch während wir von Termin zu Termin hetzen, verlieren wir oft etwas Entscheidendes aus den Augen: den Respekt gegenüber unseren Mitmenschen. Heute möchte ich über Beobachtungen sprechen, die mich nachdenklich machen – und darüber, warum ein kleines „Bitte und Danke“ die Welt ein Stück besser machen.
Mich wundert es immer wieder, wie sehr Zeitdruck den Charakter eines Menschen zu verändern scheint. Das Nette, das Zuvorkommende, scheint in der Hektik allmählich zu verschwinden. Das erleben wir nicht nur im Berufsverkehr, sondern mitten in den alltäglichsten Situationen – zum Beispiel beim wöchentlichen Einkauf.
Leider musste ich in letzter Zeit Beobachtungen machen, die mich nicht nur traurig stimmen, sondern mich auch dazu animiert haben, direkt zu reagieren.
Der Supermarkt: Spiegelbild unserer Ungeduld
Wir alle kennen das: Die Zeit ist knapp, der Stresspegel nach der Arbeit oder am Samstagvormittag hoch. Man rennt los, um noch schnell die Besorgungen zu erledigen. Aber rechtfertigt Zeitmangel Unhöflichkeit?
Die Mitarbeiter in den Supermärkten sind keine Maschinen. Es sind Menschen, die in den Filialen oft unterbesetzt sind und dennoch ihr Bestes geben.
Hürdenlauf zwischen Regalen
Während das Personal versucht, in Rekordzeit Regale aufzufüllen und dabei peinlich genau darauf achtet, niemandem im Weg zu stehen, reagieren viele Kunden mit Ignoranz. Da wird mürrisch gedrängelt, angerempelt oder – mein persönlicher „Höhepunkt“ – es werden Warenwagen der Mitarbeiter einfach eigenmächtig zur Seite geschoben, um ans Produkt zu kommen.
Ist das nicht unglaublich unverschämt? Ein kurzes „Darf ich mal eben?“ würde die Situation für beide Seiten sofort entspannen.

Das Drama an der Kasse: „Machen se mal ne zweite Kasse auf!“
Die Schlange an der Kasse ist für viele der Endgegner. Doch was bringt uns die innerliche Unruhe, außer einem höheren Blutdruck?
Ich erlebe immer wieder die Situationen, die mich fassungslos machen. So wie erst Letztens:
Ein Kunde rief im fordernden Befehlston durch den Laden: „Machen se mal ne zweite Kasse auf!“ Kein „Guten Tag“, kein „Bitte“. Nur eine Forderung.
Ich konnte nicht anders und rief zurück: „Sie haben das Wort ‚Bitte‘ vergessen.“ Kurze Stille. Doch es dauerte nicht lang, bis der nächste in einem noch aggressiveren Ton nachlegte. Auch hier blieb ich standhaft: „Ich würde mich freuen, wenn Sie ein höfliches Bitte einbauen – Sie sehen doch, dass hier jeder sein Bestes gibt!“
Das Ergebnis? Betretene Stille bei den Kunden und ein unendlich dankbarer Blick der Kassiererin, die gerade so schnell sie konnte die Waren über das Band zog.
Die „dunkle Banane“ und der Tonfall
Es ist völlig legitim zu sagen, wenn im Frischebereich etwas mal nicht in Ordnung ist. Aber der Ton macht die Musik! Wenn Kunden auf eine dunkle Stelle an der Banane oder ein welkes Blatt am Salat hinweisen, geschieht das oft vorwurfsvoll – als hätten die Mitarbeiter die Absicht gehabt, uns persönlich zu beleidigen.

Der Bäcker und die Kunden
Auch beim Bäcker zeigt sich die Ungeduld: Wenn jemand sein Brot geschnitten möchte oder sich kurz nicht entscheiden kann, fangen die Wartenden hinter ihm an, „mit den Hufen zu scharren“. Und wehe, die Verkäuferin muss erst noch die Brötchen aus dem Ofen holen! Ganz ehrlich: Verbrannte Backwaren schmecken niemandem. Ein bisschen Dankbarkeit für frische Ware wäre hier angebrachter als böse Blicke.
Mein Appell: Ein Lächeln kostet nichts
Wir dürfen nicht vergessen: Im Einzelhandel wird oft an Personal gespart. Die Menschen dort stehen unter Dauerstress. Unser Murren macht ihre Arbeit nicht leichter, sondern schwerer.
Versuchen wir es doch mal so:
• Fragen statt Fordern: „Entschuldigung, darf ich Sie kurz stören? Wo finde ich die Milch?“
• Verständnis zeigen: „Ich sehe, Sie haben gerade viel zu tun. Hätten Sie trotzdem kurz Zeit für eine Frage?“
• Wertschätzung: Ein ehrliches „Danke“, ein Lächeln beim Bezahlen und ein „Schönen Feierabend“.

Ich versichere euch: Das tut nicht nur dem Gegenüber gut, sondern auch euch selbst. Wenn der Stresspegel sinkt, weil wir freundlich agieren, kehrt auch das Lächeln zu uns zurück.
Fazit: Ich möchte hier nicht alle über einen Kamm scheren. Viele von euch sind wunderbar höflich. Dieser Beitrag geht an jene, die vor lauter Stress vergessen haben, dass am anderen Ende auch ein Mensch steht.
Wie erlebt ihr euren Alltag beim Einkaufen? Seid ihr auch schon einmal für das Personal eingesprungen oder habt ihr Tipps, wie man in stressigen Momenten die Ruhe bewahrt? Schreibt es mir in die Kommentare!
19 thoughts on “Weniger Hektik: Warum Freundlichkeit im Alltag unsere Superkraft ist”
Dankeschön =)
Ein wirklich guter Post, denn Freundlichkeit scheint im Alltag wirklich nicht mehr vorhanden zu sein 😀
Gestern war ich bei Kaufland und da is dann eine ältere Dame an mir vorbei gegangen. Sie hatte super viel Platz und alles, aber sie musste mich weg schubsen, weil sie genau neben mir an die Produkte wollte. Zum Einen wars unnötig und zum Anderen hätte man auch kurz fragen können um mehr Platz zu haben, aber ne da wurde einfach geschubst. Mich wundert da schon gar nichts mehr xD
Liebe Grüße
Hey,
das ist natürlich ein sehr unschönes Erlebnis. Bei Älteren bin ich da erstaunt. Ich erinnere mich gut daran, dass meine Oma sehr darauf achtete, dass wir grüßen, bitte und danke sagen.
Liebe Grüße!
Da muss ich dir Recht geben. Mein Leben ist auch stressig, aber das darf ich doch nicht an völlig unbeteiligten auslassen. Ich merke schon an mir selbst, dass es Situationen gibt, in denen ich sehr gereizt reagiere: Menschen stellen den Einkaufswagen quer in den Gang, so dass man nicht mehr durchkommt, oder blieben mitten im Ausgang stehen, um dann erstmal gemütlich den Kassenbon zu checken. Ich muss mir dann immer in Erinnerung rufen, dass ich selbst auch nicht perfekt bin. Wer weiß, wer sich schon bei mir gedacht hat „Was steht die Olle da so dumm rum!“
Einmal im Monat fahre ich zu einem Biohof bei uns in der Umgebung und hole da unter Fleisch. Da kann es dann manchmal dauern, weil jeder individuell bedient wird. Aber genau das schätze ich auch. Dort werde ich dann auch sehr gut beraten und stehe gerne länger an. Zum Glück scheinen es alle anderen Kunden genau so zu sehen, weil dort herrscht immer eine ruhige und freundliche Atmosphäre.
LG, Rahel
Liebe Rahel,
danke, dass du deine Erfahrungen mitteilst.
Natürlich habe wir alle unsere genervten Zeiten und sicherlich bin ich auch nicht immer so freundlich wie es sein sollte. Trotzdem bemühe ich mich, denn es lohnt sich um auch selber, durch die nette Antwort, etwas „runterzufahren“.
Auf den Märkten oder Höfen geht es tatsächlich wertschätzender zu.
Liebe Grüße!
Ich teile jedes deiner Worte und lebe es so wie du.
Jeder von uns kann mit kleinen Gesten die Welt zu einem besseren Ort machen. Und es kostet nichts: Nur ein Lächeln (oder Bitte)
Liebe Grüße
Nicole
Ganz genau so!
Liebe Grüße!
Wie wahr!
Ich stelle leider auch immer mehr fest, dass wirklich viele unverschämte und ungeduldige Menschen unterwegs sind…
Jeder hat seinen eigenen Stress und seine Probleme; es wäre wirklich schön, wenn wir daher alle ein bisschen gelassener und freundlicher zueinander wären…
Das stimmt. Ein Lächeln macht sehr viel aus. Es ist das Teilen guter Laune und Wertschätzung.
Liebe Grüße!
Da bin ich ganz deiner Meinung liebe Jenny. Mittlerweile lautet meine Devise: Je unfreundlicher mein Gegenüber ist, desto freundlicher reagiere ich. Vielleicht regt meine Reaktion den anderen ja zum Nachdenken über seine Unfreundlichkeit an.
Liebe Grüße
Christine
Liebe Christine, das ist natürlich auch eine Methode.
Liebe Grüße!
Liebe Jenny,
ein so wichtiger Beitrag von Dir ! Ja, ein Lächeln kostet nichts. Aber für die Mitarbeiter ist es Gold wert.
Alle, die im Dienstleistungsbereich arbeiten, können das bestätigen. Und auch, dass es in den letzten Jahren fühlbarer unangenehm geworden ist.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
das stimmt, der Einzelhandel ist undankbar geworden, leider.
Liebe Grüße!
Es fällt einem wirklich kein Zacken aus der Krone, wenn man einen höflichen Ton anschlägt. Nicht nur im Supermarkt. Ich denke zum Beispiel an das Bus- und Bahnpersonal, Polizei und Rettungskräfte, die teilweise nicht nur beleidigt, sondern auch körperlich angegriffen werden. Sogar Bedienstete im Krankenhaus.
Die Gesellschaft verroht leider immer mehr.
Liebe Grüße
Sabine
Liebe Sabine,
ja leider. Es ist in vielen Bereichen undankbar geworden und wenn dann körperliche Angriffe hinzukommen ist das absolut indiskutabel und natürlich mehr als nur traurig.
Liebe Grüße!
Hey Jenny,
du sagst es… Ein Lächeln kostet nichts und verändert die Welt! 🙂
Ich verstehe die düsteren Gesichtsausdrücke und die Hetzerei durch die Geschäfte nicht. Zum Glück sind nicht alle so. 😛
Schöne und frohe Ostertage und liebe Grüße, Tati
Liebe Tati,
genau es sind nicht alle so und ein Lächeln kann Wunder bewirken. Ich habe erst gestern in einem Drogeriemarkt einfach mal den Satz erweitert: Entschuldigung, haben sie kurz Zeit für mich. Die Verkäuferin sah mich entspannter an und die Reaktion war toll.
Liebe Grüße und dir auch schöne Ostern!
Was ich leider feststellen muss, dass Freundlichkeit in dieser Gesellschaft immer mehr zum Fremdwort wird. LG Romy
Was für ein toller Beitrag, da sollten sich viele ein Beispiel nehmen, ich habe das so oft im Arbeitsalltag, ich hingegen versuche immer freundlich und nett zu sein, aber manche schaffen das einfach nicht. LG Babsi
Liebe Jenny,
dieser Beitrag ist einer dieser Texte, bei denen man beim Lesen innerlich nickt – und gleichzeitig heimlich eine Liste der eigenen unrühmlichen Kassenmomenten erstellt. Der erste Stein ist hier schwer zu werfen.
Aber genau das machst du so gut: Du verurteilst nicht pauschal, du beobachtest und sprichst es aus. Die Szene mit dem »Bitte«-Fehler an der Kasse, einfach direkt angesprochen – das ist diese seltene Mischung aus Zivilcourage und Freundlichkeit, die zusammen eigentlich viel häufiger vorkommen sollten.
Dein eigentlicher Kerngedanke steckt ein bisschen versteckt, aber er ist da: Freundlichkeit ist keine zufällige Charaktereigenschaft. Sie ist eine tägliche Entscheidung, die man auch dann treffen kann, wenn man es eilig hat und der Stresspegel nicht gerade romantisch ist.
Das Wartezimmer des Lebens hat mir ähnliche Beobachtungen beschert – Menschen unter Druck, die plötzlich die soziale Firewall fallen lassen (siehe Link bei meinem Namen). Etwas zu sagen kostet Überwindung. Aber meistens, wirklich meistens, lohnt es sich.
Auf mehr Bitte, mehr Danke – und auf Menschen wie dich, die es aussprechen.
Ron