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Starke Menschen sind auch Künstler – Interview mit Matthias Backhaus – Rohhaut Schmiede

Die starken Menschen sind ab und zu doch ganz nah und einen davon begegne ich sogar mehrmals in der Woche und das schon über einen längeren Zeitraum, ohne zu ahnen, welch genialer Künstler er ist.

Matthias Backhaus ist gelernter Maschinenbaumechaniker und staatlich examinierter Erzieher und einer meiner netten Kollegen, die ihr Wissen und Können an die Jugend vermitteln.
Wenn man Matthias begegnet erscheint er vielen doch etwas exotisch.
Dreadlocks, stark tätowiert und meistens trägt er Zimmermannhosen. Eine interessante Erscheinung, ein interessanter Mensch!

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Warum ich Matthias in die Kategorie der starken Menschen aufgenommen habe erfahrt ihr in einem exklusiven Interview, denn Matthias ist nicht nur ein netter Kollege, er geht auch einem Handwerk nach, dass ich sehr beeindruckend finde:

Er stellt Unikate aus Rohleder her, unter anderem Geldbörsen. Aber auch wunderschöne Schmuckstücke aus Messing gehören zu seinem Handwerk.
Die handgefertigten Stücke beziehen sich auf das Mittelalter, die Rockabilly und Bikerszene sowie die Kultur der Wikinger, so findet man einige bekannte Ornamente auf den Produkten.
Stark oder?

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Interview mit Matthias Backhaus

Jenny:
Danke, dass du mir Rede und Antwort stehst. Ich würde mich freuen, wenn du uns kurz etwas zu deiner Person erzählst.

Matthias:
Hallo Jenny und danke für die Chance mich darzustellen. Ich bin 35 Jahre, verheiratet und Familienvater aus der historischen Stadt Warburg in NRW. Hauptberuflich pädagogischer Mitarbeiter eines Bildungsträgers, nebenberuflich Inhaber meiner Ledermanufaktur im eigenen Anwesen. Hobbys: Das Mittelalter, Lederverarbeitung und manches andere Handwerk.

Jenny:
Dein Handwerk ist wirklich beeindruckend. Wie bist du auf die Idee gekommen das Handwerk auszuüben und seit wann machst du das schon?

Matthias:
Da ich regelmäßig neue Herausforderungen suche, habe ich vor 4 Jahren mit der Verarbeitung von Leder begonnen. Schnell stellten sich die ersten Aufträge ein, so dass diese Idee einfach wachsen musste. Nach und nach baute ich meine Fähigkeiten aus, erlernte neue Fertigungsverfahren und trieb das Geschäft voran. Mittlerweile kann ich auf einen weltweiten Kundenstamm zurückblicken.

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Jenny:
Weltweit ist ja beeindruckend! Wo hast du die Fertigungsverfahren erlernt? Heute kann man sich ja einiges auf YouTube ansehen, aber ich nehme an, du hast Kurse belegt? Das schüttelt man doch nicht so aus dem Ärmel?

Matthias:
Die einzelnen Verfahren habe ich mir alles selbst angeeignet. Da ich von Hause aus ein gutes technisches Verständnis besitze, geht das ganz gut klar. Durch Bücher konnte ich mir grundlegende Dinge aneignen.

Jenny:
Hast du eine eigene Werkstatt?

Matthias:
Ja die habe ich mir direkt zu Anfang eingerichtet. Ich brauch Platz für Material, Werkzeuge und Ideen. Viele meiner Exponate entstehen als Papier bzw. Pappmodell.
Leder ist zu teuer um es zu verschneiden. Da muss jeder Schritt gut überlegt sein. Ich kam um ein Gewerbe und eigene Manufaktur nicht umher. Zudem bin ich Mitglied in der Berufsgenossenschaft für Leder und altes Handwerk.

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Jenny:
Ich kann mit sehr gut vorstellen, dass das Material nicht günstig ist! Woher beziehst du die Materialien und worauf legst du besonderen Wert?

Matthias:
Leder gehört nicht zu den günstigen Rohstoffen auf diesem Planeten. Ein qm Leder in 2mm Stärke liegt schnell bei 150 Euro. Verschnitt mit eingerechnet reicht dieses Stück dann eher für ein mittleres bis kleines Projekt.
Überwiegend beziehe ich mein Material von Ledergrosshändlern. Besonderen Wert lege ich auf Rindleder welches vegetabil gegerbt und frei von chemischen Gerbstoffen ist. Nur vegetabil gegerbtes Leder lässt sich für meine Ideen verarbeiten und färben. Auch der Färbeprozess meiner Produkte entsteht aus meiner Hand und ist individuell auf den Kunden abgestimmt.

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Jenny:

Wie kann man sich so eine Färbung vorstellen? Ich als Laie stelle mir vor, dass du das Leder in einen Farbtopf wirfst?

Matthias:
Ich färbe meine Projekte alle von Hand mit einem Wooldouber. Einer Art Schaffell am Stiel. Hiermit muss ich die Lederflächen ,,einreiben‘‘. Zum Einsat kommt hier Oil Dye oder alkoholbasierte Farben aus den USA. Für punzierte Arbeiten und Motive müssen alle Feinheiten per Pinsel und Acrylfarbe aufgebracht werden. Eine wahnsinnige Feinarbeit.

Jenny:
Deine Handwerksstücke sind alles Unikate und dafür muss man sehr kreativ sein! Woher nimmst du die Ideen und welche Leidenschaft steckt dahinter?

Matthias:
Meine Ideen und Inspirationen entstehen im Kopf, auf Mittelaltermärkten oder der Kunde hat ein besonderes Anliegen. Ich probiere viel aus, was mit Leder so alles möglich ist. Da ein großes Thema das Frühmittelalter um 900 n. Chr ist, fertige ich auch immer wieder Projekte der ,,Wikingerzeit‘‘ nach bestimmten Grabfunden. Hierzu suche ich in Büchern gefundene Fragmente und Zeichnungen, die ich dann erneut zum Leben erwecke in Form eines Replikats.

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Jenny:
Ich bin ja ein großer Fan von den Wikingern und habe deshalb ganz besonders deine Stücke bewundert!
Wie viel Zeit benötigst du für einen Armreif und oder eine Geldbörse, inklusive der Zeichnungen?

Matthias:
Das ist immer vom Aufwand abhängig. Es ist nicht selten, das für eine Geldbörse schon mal 20 Stunden ins Land gehen. Alle meine Produkte entstehen in Handarbeit. Es gibt nicht eine Maschine in meiner Manufaktur. Jedes einzelne Nahtloch wird von Hand gestochen und vernäht. Das kann dann schon mal etwas dauern. Ein Armreif nach Gotlandfund ist in der Regel in 4 Stunden vollbracht.

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Jenny:

Also wirklich alles reine Handarbeit. Das Nähen von Leder ist sicherlich nicht mit dem Nähen von normalem Stoff zu vergleichen? Wie viele Geldbörsen stellst du monatlich im Schnitt her?

Matthias:
Alles ist absolut reine Handarbeit. Das Nähen von Leder unterscheidet sich sehr von Stoffen. Alle Nahtlöcher müssen von Hand vorgestochen werden, ein gewachstes Garn kommt zum Einsatz, und es wird immer mit 2 Nadeln entgegengesetzt genäht.

Jenny:
Wer sind deine Kunden?

Matthias:
Subkulturen, Biker ,Rocker, Jäger, Darsteller von Mittelaltermärkten oder der Geschäftsmann von nebenan der einen vernünftigen Gürtel benötigt.

Jenny:
Dürften deine Kunden auch ganz individuelle Wünsche liefern?

Matthias:
Mein Geschäft lebt ausschließlich von Kundenwünschen. Eigene Ideen lasse ich mit einfließen.

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Jenny:
Stellst du alles alleine her oder hast du noch Freunde die dir dabei helfen?

Matthias:
Ich arbeite ausschließlich alleine in der Manufaktur

Jenny:
Wie verbindest du dein Hobby „Mittelalter“ mit deinem Handwerk- gibt es da Schnittstellen?

Matthias:
Ich bereite mich gerade darauf vor, mein Handwerk auch auf Mittelaltermärkten zu präsentieren. Wir lagen selbst auf Mittelaltermärkten, warum soll ich da nicht auch die Zeit nutzen, altes Handwerk zu präsentieren. Dieses wird gerade vorbereitet, bedarf sehr viel Zeit und Aufwand. Der Start ist für 2019 ins Auge gefasst.

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Jenny:
Die Termine und wo du dann dein Stand zu finden ist, wirst du sicherlich auf deiner Facebookpage bekannt geben!
Wo kann man deine Produkte sonst kaufen?

Matthias:
Über Etsy unter Rohhaut – Schmiede könnt ihr die Produkte kaufen.
Oder auf Facebook: Rohhaut-Schmiede

Jenny:
Ich bedanke mich ganz herzlich für deine Antworten. Es war sehr spannend mal hinter die Kulissen blicken zu dürfen. Außerdem wünsche ich dir weiterhin ganz viel Erfolg und Freude mit den Unikaten.

Matthias:
Vielen Dank für deine Zeit und dieses ausgiebige Interview. Ich werde regelmäßig von mir hören lassen.


 

Was sagt ihr zu dem Handwerk und den Unikaten?

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33 Kommentare zu “Starke Menschen sind auch Künstler – Interview mit Matthias Backhaus – Rohhaut Schmiede

  1. Hallo, ein toller Künstler. Bei uns gibt es in der Nähe die Ronneburg und dort sind jedes Jahr die Ritterspiele und auch solche tollen Künstler wie Matthias. Finde ich schön, dass es noch so etwas gibt. Tina-Maria

  2. Da hast du wieder einen ganz wunderbaren Artikel in deiner Reihe der starken Menschen geschrieben. Es ist immer interessant, welche besonderen Menschen wir hier mit dir kennenlernen dürfen. Matthias hat ein ganz tolles Hobby – obwohl Hobby kann man in seinem Fall eigentlich nicht sagen, es ist mehr eine Berufung, der er mit Liebe und Leidenschaft nachgeht. Ansonsten könnte er nicht so geniale Produkte in Handarbeit fertigen. Ich bin handwerklich leider nicht so begabt, daher bewundere ich solche Menschen ganz besonders.
    Du bist auch ein ganz fleißiges Bienchen in Bezug auf die DSGVO – immer wieder gibt es Zusätze und Neuerungen auf deinem Blog.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag und alles Liebe

    1. Hey,
      ja der Matthias ist wirklich ein Talent. Ich selber bin auch gar nicht begabt und finde es umso toller, wenn es Menschen vormachen und vor allem können :).
      Ja der Datenschutz: ich habe tatsächlich eine tolle Hilfe im Hintergrund ohne die ich tatsächlich aufgeschmissen wäre und dafür bin ich sehr dankbar!
      Liebe Grüße!

  3. Huhu Jenny,
    …ich bin auch mal wieder bei dir.
    Ich bin beeindruckt was Matthias alles herstellt, es gefällt mir sehr gut.
    Schön das es Menschen gibt die solche Kunst-Handwerke am Leben erhalten.
    herzliche Grüße Diana

  4. Ja war ein echt super Abend, nächste Woche geht es wohl direkt wieder ins Kino 😀

    Ein toller Post, ein wirklich interessantes Interview. Hab es jetzt nur grob überflogen, aber werde es sicher später noch weiter lesen =)
    Liebe Grüße

      1. Danke den habe ich bei deinen Themen immer =)

        Joa das habe ich schon das eine oder andere Mal von dir gehört *lach*, man muss ja auch nicht alles schauen ^^
        Danke dir auch ein schönes Wochenende

  5. Der Matthias könnte aus dem Freundeskreis meines jüngsten Sohnes stammen! 😉
    Ich finde es wunderbar, was er alles fertigt. Am besten gefällt mir der Silberschmuck.
    LG
    Sabienes

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