Lebensnah

NEIN – Das konnte alles nicht wahr sein – Fortsetzung

Fortsetzung
Sie wich zurück, verwirrt… sah in seine Augen die erneut diesen weichen, warmen Blick hatten, den sie so liebte und dann… stieg er wieder auf, der Phantomschmerz- der Schmerz den sie zu verspüren schien, wenn sie Angst hatte vor dem was geschah und geschehen würde.

Sie vergaß die unangebrachte Strumpfhose, die Mascara, die sie wohl zu dick aufgetragen hatte und ließ es geschehen. Ihre Lippen trafen sich erneut. Es dauerte nicht lange, da fanden sie sich in seinem Schlafzimmer wieder
und die Leidenschaft nahm ihren Lauf.
Am Morgen danach schwebte sie auf wie auf Wolken und auch er war zufrieden. Es schien alles so perfekt, so wunderschön, dass sie sich vornahmen, es erneut miteinander zu versuchen.
Die Zeit davor war vergessen. Sie hatten sich ausgesprochen. Beide hatten Angst vor einer Beziehung, die nun verflogen war. Er gestand, seine Gefühle zuvor auf Eis gelegt zu haben, um sich ihrer bewusst zu werden.
Immerhin war er sich nun sicher und sie war die Frau, die er sich wünschte!

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Auch den Tag darauf verbrachten sie gemeinsam.
Langsam, so nahmen sie es sich vor, wollten sie einen Neustart wagen, als Paar, verliebt und ohne Zwang. Was auch immer ihn befreit hatte, sie war dabei, mit ganzem Herzen.
Sie nahm sich vor ihm Zeit zu geben. Auch für sich selber räumte sie diese Option ein, nichts zu überstürzen. Es fühlte sich gut und richtig an. Sie hüpfte vor Freude, dankbar, dass sie dem Date zum Essen eine Chance gegeben hatte, dankbar für ihre Geduld.
Trotzdem behielt sie eine Frage bei sich: Warum gab es diese andere Frau in den Wochen dazwischen und was hatte ihn von einer Minute auf die andere für sie entscheiden lassen?!

Seine Augen glänzten an jenen Tagen, an jenen Abenden, er schien sich so sicher zu sein wie noch nie zuvor und auch sie fühlte sich endlich erleichtert und frei, konnte ihm scheinbar ihre Liebe nun offen gestehen und ohne Ängste in die Augen sehen.
Er hatte verstanden, dass sie zu ihm passte, dass sie diejenige war, die seine Wünsche einer Beziehung erfüllen konnte. Endlich konnte sie loslassen und sich fallen lassen!
Von Null auf Hundert– das sollte mal einer nachmachen dachte sie sich. Es schien zu schön um wahr zu sein. Seine Gefühle fasste er in einem wundervollen Brief zusammen den sie per Mail erhielt und dieses Mal nicht zögerte zu öffnen.
„Er sah sie plötzlich ganz anders als vorher. Alles war anders. Er konnte sein, wie er war in ihrer Gegenwart. Das war endgültig erwiesen.“
Diese Worte waren soooo schön!

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Und ja es „schien zu schön“…
denn schon nach drei Tagen spürte sie, nach einer Nacht bei ihm, eine Veränderung. Sie stand vor dem Spiegel, machte sich bereit um seine Wohnung zu verlassen… er wich ihren Blicken, sah vermeintlich tief in seine Zeitung…
Ihr verdammtes Bauchgefühl… sie wollte es ignorieren! Doch NEIN, sie konnte es nicht. Sie redete sich ein, dass sie sich etwas einbildete, oder war er wirklich anders?
Schon am Tag darauf erhielt sie eine merkwürdige Nachricht, die ihren Magen verdrehte. Er wollte sie sehen, am Besten so schnell wie möglich.
Hatten sie nicht vereinbart langsam voran zu gehen?

Sie versuchte durch eine Absage seiner Bitte dem Schlimmsten zu entkommen, erfolglos, denn ein Telefonat folgte.
Sie kannte ihn mittlerweile so gut, dass schon seine Stimmlage einen Alarm bei ihr auslöste und ihr regelrecht das Telefon aus der Hand glitt.
F***k sie hatte es geahnt! Am liebsten hätte sie sich sofort ins Auto gesetzt um zu ihm zu fahren und ihm kräftig den Kopf gewaschen!
Er bat um Zeit und das Schlimmste folgte: „Ich weiß nicht was es ist, aber ich fühle mich unsicher und muss herausfinden warum das ist.“
Punkt Ende aus- Funkstille, erneut.
NEIN, das konnte sie nicht noch einmal durchstehen!
Sie atmete tief ein und hörte wie er sich verabschiedete.
Sie legte auf und sackte in sich zusammen, brach in Tränen aus, denn sie wusste was folgen würde.
So ein Arsch! War ihm bewusst was er ihr in diesem Moment antat?

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Naiv, … wie naiv musste man sein.
Wie dumm konnte sie nur sein um ihm all seine Zuneigung zu glauben?
Hatten seine Augen, seine Lippen, seine Worte, gelogen?
Von Null auf Hundert, von Hundert auf Null?
War das gerade wahr oder doch ein Albtraum?
Sie schluchzte, zerknüllte vor Wut die neben ihr liegende Zeitung und warf sie durch das Wohnzimmer. So ein verdammter…

Die Tage vergingen ohne ein Zeichen von ihm. Sie wusste nicht ein noch aus, durchlebte die Stunden in einem Nebel, in Schmerzen, in Fragen was sie erneut falsch gemacht haben könnte… war es zu schnell gegangen?
Hatte er sie nicht sogar seinen Eltern vorstellen wollen?
Wollte er nicht endlich ihre Freunde kennen lernen?
Wollten sie nicht gemeinsam ein Wochenende im Nirgendwo verbringen?
Oder hatte er plötzlich Angst gleich vor dem Altar zu stehen?
Wenn dem so gewesen wäre… mit Sicherheit hätte sie dem nie zugestimmt… aber wo war ihre Chance, die Antwort auf ihre Fragen?
Was war geschehen?
Spekulationen… NEIN, das konnte nicht wahr sein!
Und vor allem NEIN, das ließ sie nicht mit sich machen!

Bis endlich… – eine Email für dich – „Meine Gefühle reichen nicht aus… meine Feinfühligkeit ist mir abhanden gekommen, in tiefer Verbundenheit“…bla bla bla… ich hoffe du kannst mir eines Tages vergeben… bla bla bla….“
Sie las diese Email rauf und runter, von links nach rechts und anders herum.
Das konnte nicht sein Ernst sein?
Er hatte versucht seine Zuneigung zu ihr zu erzwingen, weil sie rein theoretisch zusammen passen würden!
Wie bitte ist das möglich?
Moment… seine Blicke, seine Nähe, sein Brief, seine Worte- das war alles: Erzwungen???
War es vielleicht sogar erlogen?
Wovor rannte er davon???
Nein! Das konnte sie nicht glauben!
So ein Bullshit- das hätte er sich früher überlegen sollen!!!

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Obwohl sie schon geahnt hatte, dass ähnliche Worte fallen würden, konnte sie es nicht verstehen.
Bindungsangst?
Die Angst den Singlealltag aufzugeben?
Die Angst verletzt zu werden?
Die Angst, sie könnte ihn erneut verlassen?
Die Angst abgewiesen zu werden?
Die Angst Fehler zu begehen?
Die Angst nicht in seiner Person akzeptiert zu werden?
Die Angst…
Spielte all das eine Rolle oder war es wirklich: „die Gefühle reichen nicht aus…“ Oder eine Mischung aus Allem?
Jeder hat eine Geschichte, aber seine konnte wohl nichts mehr toppen!
Sie war wütend, sie war traurig, sie war niedergeschlagen, sie war einsam, sie war resignierend aber sie war auch ein wenig stolz, denn eines hatte sie in ihrem Leben gelernt: ihre liebenswürdige und naive Art hatte auch Grenzen.
Ab dieser Mail folgte… Nichts… Es war ein klares: NEIN… ich will dich nicht… fein, bitte, verkackt, leck mich am A****.

Doch was war es, dieses verliebt sein, diese Liebe, dieses… ich kann nicht ohne, aber auch nicht mit dir… dieses: Ich fühle mich tief verbunden… hätte er ihr doch ein wenig mehr Zeit geschenkt.
Wonach hatte er gesucht?
Ob sie es jemals herausfinden würde?
Besser noch die Frage: wollte sie das überhaupt noch? Wollte sie weiterhin sein verdammtes Ego streicheln? Bestimmt nicht!
Die Geschichte war hier noch nicht beendet, denn nun flammte etwas ihr auf…
Und da war da noch dieses Geschenk für ihn, dass in der obersten Schublade ihres Schreibtisches lag- eigentlich wollte sie es ihm… NEIN!


Diesen Beitrag schrieb ich zum Projekt .txt mit dem Wort für den November „Nein“ .
Einmal pro Monat wird ein Wort vorgegeben, zu dem alle die möchten, etwas schreiben können.

Ältere Beiträge zum Projekt .txt

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Kitsch Teil 3
Neuanfang Teil 4
Unendlich Teil 5
Hoffnungsschimmer Teil 6
Mischen Teil 7
Grenzenlos Teil 8
Radikal gescheitert Teil 9
Phantomschmerz Teil 10

Selten
Splitter
Glück

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7 Kommentare zu “NEIN – Das konnte alles nicht wahr sein – Fortsetzung

  1. Liebe Jenny, was habe ich mich doch gefreut, als ich die Überschrift zu deinem Beitrag gelesen habe. Deine wunderbare Geschichte geht weiter – wir dürfen die Fortsetzung lesen. Dabei scheint unsere Protagonistin diese Mal endlich ihr Ziel zu erreichen, ihre Träume und geheimen Wünsche werden erfüllt – es kommt zu einer Beziehung. Dieses Glück wird aber nach kurzer Zeit bereits wieder zerstört – ich finde es toll, wie du mit Worten diese Euphorie und dann den totalen Absturz beschrieben hast, einfach perfekt zum Mitfreuen und Mitleiden.
    Hab einen ganz wunderbaren Tag und alles Liebe

  2. Ohja absolut, mit einem guten Kaffee lässt sich ein Tag viel besser ertragen 😀

    Wieder ein sehr interessanter Post.
    Früher konnte ich auch immer solche Geschichten schreiben, mittlerweile fehlt mir da echt die Muse 😀
    Liebe Grüße

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