Lebensnah

Mischen

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Würden sie dort die Abende verbringen? Würden sie…
Ein Hoffnungsschimmer?

Forsetzung

Die Geschäftsreise rückte immer näher, somit auch ihre Nervosität.
Ihr war bewusst, dass sie ihre Arbeit nicht mit privaten Dingen mischen durfte.
Das war leichter gesagt als getan, immerhin traf sie ihn auf den Fluren der Firma. Doch mehr als einen Gruß und einen verlegenen Blick nach unten brachte sie nicht übers Herz. Sie hatte Angst rot anzulaufen, in ein Gespräch verwickelt zu werden oder zu lange in seine Augen zu starren. Wenn das jemand bemerken würde, würde die Gerüchteküche kochen!
Das konnte sie nicht riskieren, denn eigentlich war bisher nichts zwischen ihnen gewesen.
Bisher? Nichts?
Das entsprach nicht der Wahrheit. Es war viel passiert, denn etwas war da zwischen ihnen. Es war sogar ausgesprochen, so offen und ehrlich, dass es fast beschämend für sie war!

shadownlight


Erst kürzlich musste sie mit ihm die Vorbereitungen auf die Geschäftsreise besprechen
, planen und organisieren. Ganze vier Stunden hatte sie neben ihm im Büro gesessen und erwischte sich dabei, wie sie ihn von der Seite beobachtete und versuchte seine Blicke zu deuten.
Ab und zu setzte sie sich auf ihre Hände, versuchte krampfhaft beim Thema zu bleiben und einigermaßen sinnvolle Beiträge zu leisten.
Körpersprache… – hätte sie damals den Kurs dazu nur wahrgenommen…!
Anfangs dachte sie auch bei ihm Nervosität zu bemerken- aber war er es wirklich? Er wirkte so professionell, währenddessen sie sich regelrecht bemühte sich zu auf die Arbeit und nicht auf seine Augen zu konzentrieren.
Hatte er es bemerkt?

Ganz nebenbei richtete sie ihren Oberkörper immer wieder auf um ihren Bauch zu kaschieren. Wobei sie sich sicher war, dass er nicht einmal darauf achtete.
War ihm überhaupt aufgefallen, dass sie sich extra Zeit im Bad genommen hatte?
Ob ihre Mascara noch saß?
Hätte sie sich doch die Fingernägel lackiert….
Nicht auf die Lippen beißen, nicht in den Haaren spielen, cool bleiben, bei der Sache bleiben…
Aber wozu das Alles? Es war doch sowieso egal. Die Fronten waren eindeutig, oder etwa nicht mehr? Hatten sich hier freundschaftliche Gefühle mit anderen vermischt? Sie wusste es nicht, sie wusste eigentlich gar nichts mehr, außer, dass sie hoffnungslos durcheinander war und das Verlangen immer größer wurde.
Noch einen schnellen Blick, bevor er sie prüfend ansah und Fragen zur Arbeit stellte…

shadownlight


Nachdem die Arbeit getan war stand das Abendessen an.
Ihre doch sehr kulante Firma hatte einen Obolus und einige Lieferantenkarten hinterlassen, quasi als kleine Belohnung für die extra Arbeiten die für die Geschäftsreise erbracht werden mussten.
Schon währenddessen sie über die Planung grübelten hatte sie überlegt, wie sie das gemeinsame Essen bewältigen sollte.
Hier werden keine geschäftlichen Dinge mehr besprochen, doch über was sollte sie reden?
Lieber wäre ihr: Nicht zu reden, sondern zu einfach das zu tun, was sie beide wollten…
Erst hatte sie überlegt einen Termin vorzuschieben…
doch sie musste sich der Herausforderung stellen.
Musste sie- oder wollte sie?
Es gab ihr die Gelegenheit mehr über ihn zu erfahren und in seine wundervollen Augen sehen zu können… und vielleicht… Bullshit- sie wäre viel zu feige eine körperliche Annäherung zu wagen!
Sie ermahnte sich und schob ihre anzüglichen Gedanken schnell beiseite!

Das Essen wurde relativ schnell geliefert. Beim Essen spricht man nicht, das hatte sie gelernt… und anschließend?
Während sie sich ihre Nudeln reinstopfte fragte sie sich, was hinterher passieren würde.
Worüber werden sie wohl reden?
Wird es so sein wie damals im Café?
Das Besteck beiseite gelegt starrte sie über den Tisch, versuchte seine Mimik zu verstehen.
Im Gegensatz zu ihr sah er relativ entspannt aus.
Sie unterhielten sich über dies und das, kein Wort über Gefühle wurde vorerst gewechselt.
Bis… das sich Thema unweigerlich auf vergangene Zeiten lenkte.
Seine Augen änderten sich schlagartig. Sein Blick wurde ernst. Aufmerksam hörte sie zu, wahrscheinlich aufmerksamer als beim Dienstlichen zuvor, versuchte Puzzleteile seines Lebens zusammen zu setzen, ihn zu verstehen. Seine Narben schienen förmlich aufzureißen und es schmerzte ihn so zu sehen.
Ihre Augen suchten den Blickkontakt, viel zu oft starrte sie ihn an- er schien es nicht zu bemerken, so erregt war er von den Dingen, die er erzählte.

In den Gesprächspausen ermahnte sie sich zur Professionalität. Er wusste bereits was sie für ihn fühlte, sie wusste es andersherum auch… Er saß so weit von ihr entfernt.
In Gedanken rückte sie ihm näher, zu nahe- hoffentlich hatte er den Körpersprachkurs nicht belegt!
Sie waren nicht allein. In den Nachbarbüros klimperten noch immer die Tasten.
Allein sein- mit ihm- egal wo…
Zu viel hatte sie über ihn erfahren, Dinge die sie ihn mehr und mehr verstehen ließen.
Die Zeit rannte, es war spät geworden. Der Entschluss die Bürotüren von außen zu schließen war getroffen.
Auf dem Weg zum Parkplatz war es dunkel und still. Kein Wort fiel. Zum Abschied eine Umarmung.
Eigentlich hätte sie nicht mehr loslassen wollen.
Eigentlich… hätte sie am Liebsten gefragt: „Zu mir oder zu dir?“

 

shadownlight


Die Nacht war unruhig, fast schlaflos.
Sie dachte über das Gespräch nach, über ihn, über sich, über sie.
Die Grenze von Freundschaft zum „Etwas“ war nicht mehr eindeutig, sie hatte sich vermischt, unbeabsichtigt…
Wie nannte er es? „Nicht sicher über die Ebene sein…“
What the f* – was für eine Ebene?
War es nicht glasklar, dass menschliches Verlangen hinter dieser „Ebene“ steckte und …
Vertrauen, Zuneigung…
Was ist dieses verdammte Gefühl?
Gibt es dafür kein Wort?
Warum musste es nur so kompliziert sein, wenn doch alles so einfach sein könnte?
Und was war „alles“?

Okay, sie war keinen verflixten Schritt weiter. Erst einmal stand die Geschäftsreise bevor und sie wusste noch immer nicht, welche Klamotten sie einpacken sollte…


Diesen Beitrag schrieb ich zum Projekt .txt mit dem Wort für den April „mischen“ .
Einmal pro Monat wird ein Wort vorgegeben zu dem alle die möchten etwas schreiben können.
Ältere Beiträge zum Projekt .txt
Du hast mich berührt Teil 1
Nächtelang Teil 2
Kitsch Teil 3
Neuanfang Teil 4
Unendlich Teil 5
Hoffnungsschimmer Teil 6

Splitter 
Glück

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20 Kommentare zu “Mischen

  1. Was habe ich mich schon auf die Fortsetzung dieser Serie gefreut und wieder ist dir ein ganz toller Text gelungen – einfach genial geschrieben, so schon zu lesen und zum Mitfühlen. Ich werde richtig in die Gefühlswelt hineingezogen, kann die Überlegungen, die Gedanken der Hauptperson einfach wunderbar nachvollziehen und das Gefühlschaos miterleben.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und alles Liebe

  2. Das klingt alles so gefühlvoll und authentisch, ganz toll geschrieben.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße 🙂

  3. Hallo,
    wieder sehr spannend geschrieben, ich konnte mich komplett in die Protagonistin einfühlen, denn es erinnert mich an eine eigene (alte) Geschichte… Bin sehr auf die Fortsetzung gespannt (oh, das bedeutet wieder einen Monat warten?)
    Liebe Grüße!
    Maren

    1. Liebe Maren,
      das Leben schreibt Geschichten 🙂 und ich glaube, jeder hat so etwas schon einmal in irgendeiner Weise erlebt.
      Mal sehen wann ich das nächste Mal schreiben werde. Beim Projekt txt kann man auch Wörter aus vergangenen Monaten nutzen :).
      Liebe Grüße!

  4. Toller Text! Wenn es ein Buch wäre, ich würde es mir kaufen.
    Du hast einen tollen Schreibstil, der den Leser mitnimmt in eine andere Welt.
    LG Chris

  5. Eine ganz herzliche und spannende Geschichte. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung. Sehr gefühlvoll und mitnehmend du Liebe!!!

    Viele liebe Grüße
    Doreen

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