Lebensnah

Kämpfen oder in Luft auflösen?

Fortsetzung
Und trotzdem: Sie würde ihn immer lieben.
Mit diesen neuen Wunden und der Erkenntnis einer erneut gescheiterten Liebesgeschichte setzte sie sich nieder und dachte über das Wort „Liebe“ nach …
Wenn du nicht bereit bist um das, was du liebst und wirklich willst zu kämpfen, dann weine später nicht um das, was du verloren hast.

Sie las dieses Zitat mehrmals, erst leise, dann lauter.
Sie war es die aufgegeben hatte.
Sie war es die Angst vor dem Scheitern hatte.
Sie war es jedoch auch, die nicht loslassen konnte.
Fern ab ihrer gefällten Entscheidung gegen ihn, blutet ihr Herz beim Gedanken daran ihn abgewiesen zu haben.
Sie hatte die Chance vertan.
Und ja jetzt weinte sie über das Verlorene.
Vielleicht war es noch nicht zu spät?
Wenn du nicht bereit bist zu kämpfen … Vielleicht sollte sie kämpfen?
Doch würde sie seinen harten Blick erwidern, seine kalten Worte aushalten können?
Würde sie die Mauer des Selbstschutzes überwinden? War sie stark genug?

Tränen liefen an ihren Wangen herunter, kaum spürbar wie sie von ihrem Kinn in das Dekolletee rannen. Es war ihr egal, denn der Schmerz über ihre Dummheit und Feigheit überwog, lies alles um sie herum verblassen.
In ihr loderte eine unlöschbare Flamme der Liebe, doch die Dunkelheit der Angst überschattete dieses Licht.

Sie war völlig aufgelöst!
Wirklich kämpfen! Bereit sein! War sie es? Dem Schmerz zufolge musste es dieser Weg sein. Kämpfe, sagte sie zu sich und schluchzte, kämpfe, sonst werden die Tränen nie trocknen.

Mit dieser plötzlichen Entschlossenheit nahm sie sich vor ihre Angst zu überwinden. Ja sie war gescheitert, jedoch … vielleicht gab es noch einen Funken Hoffnung- Ehrlichkeit.
Sie stieg in ihr Auto und fuhr los, geradewegs zu ihm. Es war dunkel, die Straßen leer, sie hatte auf der Strecke keine Möglichkeit ihre Gedanken zu ordnen und sich Worte zurecht zu legen.
Irgendetwas würde ihr schon einfallen- es sollte nur all das sein was sie bewegte. Alles, sie musste es sagen, das sagen, was sie bisher nicht über die Lippen bekam, … wenn sich nur der Knoten im Hals auflösen würde!

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Angekommen stand sie vor dem Eingang
seines Hauses, betrachtete das Klingelschild, zögerte. Er war zu Hause, das Licht deutete darauf hin.
Kämpfe, sagte sie sich immer wieder.
Zitternd schrieb sie ihm eine Nachricht und bat um ein Gespräch. Sie wollte nicht klingeln, …, ihr Mut schien sie zu verlassen.
Die Antwort lies nicht auf sich warten. Er öffnete die Tür, kam heraus und sie setzen sich auf den Bordstein. Die Nacht war lau, trotzdem fror sie. Mit einer Hand kramte sie eine Zigarette aus der Tasche um sich an etwas festhalten zu können. Immerhin hatte er die Bitte um ein Gespräch nicht abgelehnt. Sie atme tief ein…
dann legte sie los…

Ein Redeschwall überkam sie.
Sie hörte sich selber sprechen, als ob sie neben sich stand und beobachtete. Sie sah zu Boden, zog an ihrer Zigarette, sagte ihm, dass sie ihn liebte.
Bat ihn ihr in die Augen zu sehen. Sie suchte etwas in seiner Mimik und konnte nichts finden. Sie konnte keinen seiner Blicke deuten. Sie waren nicht hart, sie waren nicht weich, sie waren… traurig? War es das was sie sah?
Waren es 10 Minuten, war es länger? Was hatte sie ihm gesagt? Hatte sie ihm alles gesagt? Hatte sie ihm ihre Angst vor dem Scheitern verdeutlichen können?
Hatte er verstanden, dass sie ihn liebte?
Am liebsten hätte sie sich in Luft aufgelöst.

Alles was in ihrem Kopf hallte war eines seiner Sätze: Die Sache ist durch. Da ist nichts mehr.
Ein Anruf beendete ihren mehr oder weniger Monolog abrupt.
Er hatte einen Termin. Er ging.

Völlig verstört stieg sie in ihr Auto. Was war da gerade geschehen? Schnell schrieb sie ihm eine Nachricht in dem sie sich entschuldigte und ein gemeinsames Kaffee trinken vorschlug, dem er unerwarteter Weise sofort zusagte.

Sie war verwirrt- war das der Kampf?
Hatte sie diesen schon verloren?
Was bedeutete dieser unbekannte Blick?
Und jetzt? … Weiter kämpfen?
Sie war es, die ihn damals abwies und er hatte sich damit arrangiert!
Verdammter Anruf, verdammter Termin… sie war keinen Schritt weiter, oder war die Sache wirklich schon durch?
Irgendetwas, dieses Bauchgefühl, sagte ihr, dass sie das Schlachtfeld noch nicht verlassen sollte.
Jedoch waren seine Worte zu klar um es misszuverstehen.


 

Diesen Beitrag schrieb ich zum Projekt .txt mit dem Wort für den Juli „Auflösung“ .
Einmal pro Monat wird ein Wort vorgegeben, zu dem alle die möchten, etwas schreiben können.

Ältere Beiträge zum Projekt .txt

Du hast mich berührt Teil 1
Nächtelang Teil 2
Kitsch Teil 3
Neuanfang Teil 4
Unendlich Teil 5
Hoffnungsschimmer Teil 6
Mischen Teil 7
Grenzenlos Teil 8
Radikal gescheitert Teil 9

Selten
Splitter
Glück

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30 Kommentare zu “Kämpfen oder in Luft auflösen?

  1. Weiter! Los los los! 😉
    Das hast du wieder mal ganz wundervoll geschrieben – „In ihr loderte eine unlöschbare Flamme der Liebe, doch die Dunkelheit der Angst überschattete dieses Licht“ – dieser Satz hat mich total vom Hocker gehauen, wundervoll <3
    Grüße
    Nessa
    https://ichdupasst.blog

  2. Liebe Jenny, wie schön, eine weitere Folge von dieser so wunderbaren Serie zu lesen. Dabei ist es dir perfekt gelungen, die Gefühle, die Gedanken, die Zerrissenheit und Unschlüssigkeit verbunden mit der Hoffnung und der Sorge mit Worten auszudrucken. Da kann ich mit der Protagonistin so richtig mitfühlen – die Überlegungen nachvollziehen, das Hin und Her spüren. Sie will um ihre Liebe kämpfen, obwohl sie sich daneben vor einer möglichen Verletzung schützen will – den Selbstschutz aufgeben und um die Liebe kämpfen? Ich bin schon total gespannt auf die Fortsetzung, wie sich die Serie noch weiterentwickelt.
    Hab ein wunderbares Wochenende und alles Liebe

  3. Ich liebe Griechenland auch, die beiden Geschäftsreisen werden definitiv nicht die einzigen Besuche dorthin sein 😀

    Ein wirklich interessanter Post =) Bin gespannt wie es weiter geht.
    Liebe Grüße

      1. Danke das habe ich soweit es zeitlich ging 😀

        Ja war echt wieder schön =) Muss auf jeden Fall auch mal privat hin 😀
        Danke dir auch einen schönen Start in die neue Woche

  4. Deine Geschichten fesseln mich immer wieder liebe Jenny! Du schaffst es, dass ich tief eintauche und am Ende erst wieder im Hier und Jetzt bin 🙂

    Liebe Grüße
    Chris

    1. Liebe Rena,
      Angst hat ja auch viel oder des Öfteren mit kommenden Dingen, also der Zukunft zu tun. Auch wenn man die Angst in der Vergangenheit entwickelt hat… Aber ja, es lohnt sich Ängste zu überwinden!
      Liebe Grüße!

  5. Wieder Spannung bis zum Ende – und irgendwie habe ich den Eindruck, dass sich ein kleiner Lichtstreifen am Horizont bildet. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich bin so gespannt auf die Fortsetzung!
    Liebe Grüße
    Maren

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