Lebensnah

Hoffnungsschimmer

Beiden war bewusst, dass der Abend hier enden musste und sie getrennte Wege gehen sollten. Alles andere wäre töricht, vielleicht, vielleicht auch unendlich schön…?

Fortsetzung

Auf dem Weg nach Hause konnte sie nicht mehr klar denken. Sie versuchte sich zu ordnen, malte in Gedanken eine Tabelle und unterteilte diese in für und wider. Das Treffen gab ihr einen Schimmer von Hoffnung. Er mochte sie.
Seine Lippen, seine Worte, seine Augen, hätte sie doch einfach… nein… töricht! Er hätte es nicht zugelassen und einen Korb zu bekommen wäre nicht zu verkraften, nicht jetzt.

Doch was wäre wenn?
Sie hätte einfach seine Hand genommen, draußen, auf dem Weg nach Hause, in seine Augen gesehen und ihre Lippen auf seine gepresst. Er hätte nicht widerstanden, dass wusste sie. Against all odds, gegen jegliche Vernunft, unendlich leidenschaftlich, unendlich schön… unendlich töricht!
Diese verdammten Narben rissen in beider Leben einen so tiefen Schlund, dass sie dem natürlichen Verlangen keine Chance geben konnten. Nicht jetzt, vielleicht nie.

Sie stolperte, fluchte, verfluchte ihre Gefühle, verfluchte das Gespräch, verfluchte seine offenen Worte. Warum hatte er sich nicht zurück gehalten? Warum musste er all diese wundervollen Dinge sagen? Ein Hoffnungsschimmer? Doch für was? Ihre Fingernägel gruben sich schmerzvoll in ihre Handballen. Vollidiot. Was hatte er nur ausgelöst?

black-and-white-jeans
Die Nacht war lang
.
Sie starrte aus dem Dachfenster in den klaren Himmel. Ihre Gedanken schweiften, vergangene Wochen… Ein Jahr ist es nun her seit sie die Zuneigung zueinander spürte. Er ging, er kam, ein Wechselbad der Gefühle. Sie wollte ihn, er wollte sie… Oftmals war sie einfach nur wütend, über sich, über ihn, über die Narben, über die Moral und Disziplin die er versuchte sich aufzuerlegen. Genau diese Moral die sich seinen Worten widersprachen. Oh wie hasste sie diese Momente der Vernunft in denen er sie zu Recht wies.

Tage vergingen, erneute Funkstille. Er war ihr Kollege. Worte wurden über die Arbeit gewechselt, meistens per Telefon, sachlich… Ab und zu hegte sie den Gedanken die Firma zu wechseln, den Kontakt ganz zu vermeiden um jeglichen Hoffnungsschimmer und Begegnungen auszuweichen.

Und dann… die zynisch frohe Botschaft, eine Geschäftsreise, vier Tage, mit ihm, unausweichlich, die Reise musste angetreten werden.
Sie würde einfach krank werden, nein sie würde diese Tage nutzen, Bullshit, sie würde sterben vor Herzrasen, schon bevor die Reise angetreten werden musste.
Warum hatte ihr Chef nicht einen anderen Partner ausgesucht, warum musste sie mit ihm ganze vier Tage in einem Seminarraum verbringen?… und das war noch nicht alles- sie musste sich ein Hotel mit ihm teilen. Eines dieser Luxusdinger mit Dresscode. Ihre Gardarobe war nicht darauf eingerichtet und überhaupt- scheiß auf die verdammten High Heels und zu engen Kleider- er war es der neben ihr sitzen würde, verdammte vier Tage lang! Er roch so gut…, ob er ihr Parfum auch mochte?
Sie schluckte… wusste nicht ob sie sich freuen oder den Gedanken daran hassen sollte.
Wie fühlte er sich? Hatte er die unglückliche Nachricht der Geschäftsreise schon erhalten?


Zu Hause angekommen durchwühlte sie nervös ihren Kleiderschrank.
Schon in drei Wochen war es soweit- der Flug war bereits gebucht, es gab kein zurück mehr. Was sollte sie nur anziehen? Ein Kleid, einen Rock, und darunter… Moment!…, sie wies sich selber zurecht. Wen interessierte ihre Unterwäsche? Ihn? Sie verwarf den Gedanken ganz schnell, kaute nervös auf ihren Fingernägeln. Auf der Internetseite des gebuchten Hotels sah sie sich zuerst die Hotelbar an. Würden sie dort die Abende verbringen? Würden sie…
Ein Hoffnungsschimmer?


Diesen Beitrag schrieb ich zum Projekt .txt mit dem Wort „Hoffnungsschimmer“, dem Januarwort 2017.
Einmal pro Monat wird ein Wort vorgegeben zu dem alle die möchten etwas schreiben können.

Ältere Beiträge zum Projekt .txt
Du hast mich berührt Teil 1
Nächtelang Teil 2
Kitsch Teil 3
Neuanfang Teil 4
Unendlich Teil 5

Splitter 
Glück 

Das könnte Dir auch gefallen . . .

34 Kommentare zu “Hoffnungsschimmer

  1. Eine wunderbare Fortsetzung der Serie – es ist ein Auf und Ab, ein Hin und Her, der Versuch des Loslassens und doch wieder des Hoffens und durch ein Ereignis wird wieder das totale Gefühlswirrwarr geschaffen. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntagabend und alles Liebe

  2. Wow, ich bin schon wieder ganz gepackt von der Story, man fiebert immer wieder aufs Neue mit (und leider erkenne ich mich im Verhalten der Protagonistin zum Teil wieder). Kann mich jedes Mal in deine Geschichten so gut reindenken und -fühlen! Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung…
    Liebe Grüße
    Maren

  3. „Klare Köpfe taugen nichts für krumme Wege.“ das fällt mir zur Geschichte ein. Ich mag krumme Wege und so <3 Bin gespannt wohin dieser krumme Weg führt 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.