Lebensnah

Der Albtraum an Weihnachten – Fortsetzung

Fortsetzung
Die Geschichte war hier noch nicht beendet, denn nun flammte etwas ihr auf…
Und da war da noch dieses Geschenk für ihn, dass in der obersten Schublade ihres Schreibtisches lag- eigentlich wollte sie es ihm… NEIN!

Es vergingen einige Wochen bis sie sich vom Schock erholt hatte. Sie hielt sich von ihm fern, auch wenn sie so viel sagen wollte. Die Wut auf ihn siegte und doch schien sie innerlich zu zerreißen.

Weihnachten stand vor der Tür und noch immer hatte sie dieses Geschenk für ihn in der Schublade. Sie wollte es nicht persönlich überreichen, eigentlich wollte sie es gar nicht mehr verschenken. Die CD sollte damals eine kleine Wiedergutmachung sein, als sie auf seinem Filmgeschmack anspielte, was ihr im Nachhinein etwas Leid tat.
Kurzerhand steckte sie das Geschenk in einem Umschlag und brachte es zur Post.
Wie nicht anders zu erwarten, sendete er ihr eine Dankesmessage mit dem Vorschlag auf ein erneutes Treffen.
Ihr wurde heiß und kalt, als sie die Einladung las, denn ihre Wut… es war Adventszeit… hieß es nicht, dass man gerade jetzt vergeben sollte? Was auch immer es hieß, sie nahm die Einladung an, in der Hoffnung ihrer inneren Frieden zu finden.

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Dieses Mal stand sie nicht stundenlang vor dem Spiegel.
Sie hatte nichts mehr zu verlieren, geschweige denn zu gewinnen. Ihr Herz war gebrochen und mehr als Schmerz konnte sie nicht empfinden.
Angekommen vor seiner Haustür bemerkte sie dann doch etwas Nervosität. Sie hatte ihn lange nicht gesehen… und als der öffnete… Weiche Knie, nasse Hände, belegte Stimme. Prima, dachte sie!
Nachdem sie die üblichen Höflichkeiten ausgetauscht hatten platze sie heraus.
Sie fragte ihn alles, was ihr auf der Seele brannte. Erklärte, wie sie sich fühlte und das sie verdammt wütend auf ihn sei.
Nein er konnte seine Gefühle ihr gegenüber nicht erzwingen, aber er hätte sich vorher Gedanken über sein Handeln machen sollen. Natürlich war sie nicht besser, natürlich hatte auch sie geschwankt, aber eines war sicher- sie hatte ihn immer geliebt, sich Stärke gewünscht.

In voller Fahrt und ihrem Redeschwall unterbrach sie sich selber mit einer Zigarette.
Er wendete seinen Kopf von ihr und sagte: „Wenn die Umstände anders gewesen wären, oder wären, dann würde ich es noch einmal versuchen.“
Ihr lief es heiß und kalt den Rücken herunter! Wie konnte er gerade jetzt so etwas sagen? So ein Arsch. Alles in ihr zitterte! Er hatte nicht ausreichend Gefühle für sie, aber sagte diesen Satz? Was ging nur in diesem Mann vor?
Der zweite Satz: „ Wenn es schneit, könnten wir zusammen spazieren gehen.“ Spontan und sarkastisch antwortet sie: „Das ist dann wohl etwas zu romantisch, hm?“
Ansehen konnte sie ihn nicht, denn sie spürte die Hitze auf ihren Wangen.
Kurz entschlossen beendete sie das Gespräch, zog ihre Schuhe an und ging zur Tür. Verarschen konnte er sich selber! Ja, sie war damals so weit gewesen, wollte mit ihm zusammen sein, es war alles so schön, es hätte perfekt werden können, mit der nötigen Ruhe und dem nötigen Abstand…

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Er nahm sie zum Abschied in die Arme
, sah ihr in die Augen und küsste sie. Eine Freundschaft? Etwas war von den Gefühlen doch noch übrig. Er mochte sie, eben ein wenig mehr, aber… Sie sah in seine Augen… langsam schob er sie Richtung Schlafzimmer. Zärtlich strich er durch ihr Gesicht. Erneut entfachte sich eine unglaubliche Leidenschaft und Nähe…

Erschöpft lagen sie nebeneinander, hielten sich bei den Händen und schwiegen. Die Nacht war angebrochen und im Zimmer herrschte Stille. Niemand wagte einen Ton zu sagen. Friedlich… überkam sie der Schlaf.

Er saß in der Küche und rauchte. Sein Profil, so männlich, seine starken Arme zeichneten sich durch das Shirt ab. Sie setzte sich zu ihm und beobachtete seine Mimik.
„Kannst du das trennen?“ fragte er behutsam.
Ihre unsägliche Wut kam wieder in ihr hoch. Sie hörte von weitem die Kirchenglocken zur Christmesse läuten. Es war Weihnachten und in ihr brodelte es wie heißes Wasser.
Trennen… konnte sie es trennen? Wenn die Umstände anders wären…
Als er zum Kühlschrank ging stand sie auf. Seinen Rücken zu ihr gewandt, nahm sie ein Messer aus dem Messerblock…
Sie liebte ihn? Sie hasste ihn? Es musste ein Ende haben! Sie konnte es nicht mehr ertragen!
Ihre Knöchel traten weiß aus ihrer geballten Hand in der sie das Messer hielt- die Kirchenglocken hatten aufgehört zu schlagen…sie stach zu- direkt in seinen Rücken, mehrmals… er ging zu Boden… Blut floss…

Schweißgebadet wachte sie auf. Sie zitterte am ganzen Körper, sah zu ihm herüber. Er schlief. Tief und fest.
Es war nur ein Traum- er lag unversehrt und friedlich neben ihr!
Sie küsste ihn vorsichtig auf die Stirn, lies ihre Finger über seinen Wangen gleiten und sagte leise: „Ich werde dich nie verletzen, ich liebe dich! Wenn du nur wüsstest, was ich alles für dich tun würde, wenn du es nur wüsstest…!“
Noch immer zitternd von ihrem Albtraum zog sie sich leise an und verließ seine Wohnung ohne ihn zu wecken.

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Sie hatte ihn verloren.
Auch wenn diese Nacht intensiv, gefühlvoll und qualvoll zugleich war wusste sie… es war vorbei.
Körperliche Nähe ohne Gefühle waren bei ihr nicht möglich, das wusste er, darüber hatten sie gesprochen, mehrere Male und trotzdem… sein Satz über das „vielleicht, wenn denn dann“, lies sie grübeln.
Sie musste stärker werden, das stand fest…


Diesen Beitrag schrieb ich zum Projekt .txt mit dem Wort für den Dezember 2018 „Weihnachten“ .
Einmal pro Monat wird ein Wort vorgegeben, zu dem alle die möchten, etwas schreiben können.

Du hast mich berührt Teil 1
Nächtelang Teil 2
Kitsch Teil 3
Neuanfang Teil 4
Unendlich Teil 5
Hoffnungsschimmer Teil 6
Mischen Teil 7
Grenzenlos Teil 8
Radikal gescheitert Teil 9
Phantomschmerz Teil 10
Nein Teil 11

Ältere Beiträge zum Projekt .txt

Selten
Splitter
Glück

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44 Kommentare zu “Der Albtraum an Weihnachten – Fortsetzung

  1. Liebe Jenny, einen Moment lang war ich bei der Überschrift verwirrt – Weihnachten? Doch dann, deine so wunderbare Serie geht weiter und ich bin ganz fasziniert, wie du hier wieder so toll mit den Worten jonglierst, wie du wieder ein so geniales Bild von den Gefühlen, den Zweifeln, den Hoffnungen und Überlegungen malst. Einfach berührend, einfach zum Mitfühlen und Mitleben. Danke für diesen wunderschönen Text.
    Hab ein wunderbares Wochenende und alles Liebe

  2. Moinsen Jenny,

    wie soll ich mich jetzt bloß auf die Arbeit konzentrieren bei solch „heißen Szenen“? 😉

    Komm gut in die neue Woche, herzliche Grüße – Tati

    1. Liebe Christine,
      lieben Dank dafür! Die Fortsetzung hat etwas länger gedauert als die Beiträge davor. Mal sehen wie es weiter geht, ich überlege noch krampfhaft.
      Liebe Grüße!

  3. So schaut es aus =) Und das Leben is zu kurz um sich dann Leckereien zu verbieten 😀
    Is auch wirklich eine gute Maske =)
    Danke dir eine schöne neue Woche

    Wieder ein toller und bewegender Post.
    Liebe Grüße

    1. Ich habe auch schon ewig keine Rosenverkäufer mehr gesehen. Also in München glaube ich noch nie und da bin ich öfters mal, aber in Berlin scheinen sie noch aktiv zu sein 😀 Sowohl Mittwoch beim Burger essen als auch Sonntag beim Cocktail trinken einige gesehen.
      Liebe Grüße

        1. Eben =)
          Ja stimmt, damals als wir alle noch jung & knackig waren xD

          Ich mag die auch total gerne, bin schon gespannt wie die neue Sorte schmeckt =)
          Liebe Grüße

  4. Liebe Jenny,

    ich bin wie immer total begeistert, wenn sich wieder ein neuer Post ankündigt. Du schreibst so voller Gefühl, das ich immer wieder staune, wie man sich so ausdrücken kann. Du hast mich wieder einmal in deinen Bann gezogen. Schreib weiter oder besser: schreibe ein Buch – ich meine das ehrlich.

    LG Sabine

    1. Hey Wolfgang,
      nein ich habe noch kein Buch geschrieben, dazu reicht das „Material“ nicht aus :).
      Ich wünsche dir auch einen guten Start in die neue Woche!
      Liebe Grüße!

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